48 Aargauer Kulturprojekte erhalten Swisslos-Fonds-Beiträge

Der Mensch ist der Joker im Glücksspiel Evolution.

Manfred Poisel

Kanton Aargau – Historische Gesellschaft Aarau plant neue Chronik

Swisslos-Fonds Kanton Aargau

Bild ZVG Kanton Aargau

48 Kulturprojekte erhalten im 4. Quartal 2017 auf Beschluss des Regierungsrats einen Beitrag oder eine Defizitgarantie aus dem Swisslos-Fonds. Der Regierungsrat fördert mit dieser Unterstützung ein vielfältiges kulturelles Leben im Kanton Aargau.

Mit dem schrittweisen Übergang ins digitale Zeitalter stellt sich vermehrt die Frage, wie Produktionen und Werke von Kulturschaffenden für die Zukunft festgehalten werden sollen. Das Schweizerische Institut für Kunstgeschichte bietet seit 2006 das kostenlose Online-Nachschlagewerk SIKART an, welches Informationen zu Schweizer Kunstschaffenden und ihren Werken sammelt sowie Ausstellungs- und Literatureinträge bereitstellt. Damit die Datenbank künftig von breiten Kreisen genutzt werden kann, wird eine neue benutzerfreundliche Website eingerichtet. Das Aargauer Radio Kanal K plant den Wechsel von einem Internet- zu einem Podcast-Radio, auf welchem auch zurückliegende Sendungen nachgehört werden können. Damit reagiert Kanal K auf den medialen Trend, die Bevölkerung nicht über feste Sendezeiten erreichen zu wollen, sondern über jederzeit verfügbare Inhalte. Die Gesellschaft Pro Vindonissa möchte ihre Quellen für die Zukunft sichern. Sie lässt den letzten Teil ihres Archivs mikroverfilmen – darunter handschriftliche Jahresberichte, Tagebücher und archäologische Notizen.

Im Jahr 2018 wird die 68er-Bewegung 50 Jahre alt. Das Schweizerische Sozialarchiv und Memoriav haben dies zum Anlass genommen, eine thematische Veranstaltungsreihe im Rahmen des Labels "Erlebte Schweiz" durchzuführen. Gezeigt werden historisches Film- und Videomaterial aus Schweizer Gedächtnisinstitutionen. Im Aargau findet im ehemaligen Kino Royal in Baden ein Live-Talk mit Fachpersonen und Zeitzeugen statt. Ziel ist nicht nur ein nostalgischer, sondern auch ein kritischer Blick auf dieses wichtige Jahr des gesellschaftlichen Wandels und seine Kontinuität bis heute.

Das 50-Jahr-Jubiläum und seinen Abschied feiert der Fricktaler Kammerchor. Im Rahmen seines Jubiläums im Jahr 2018 führt er drei Konzerte in der Stadtkirche Lenzburg, Klosterkirche Wettingen und in der Katholischen Kirche Frick durch. Im Anschluss an die Jubiläumskonzerte löst sich der Kammerchor auf. Mit einer Chronik möchte der Chor seine 222 Konzerte in Wort und Bild dokumentieren. Beim Limmat Verlag hält die Publikation "Die vergessenen Emigrantinnen" das Leben von vielen jungen Schweizerinnen fest, die in der Zwischenkriegszeit und nach dem Zweiten Weltkrieg nach England migrierten, um dort als Hausangestellte, Kindermädchen oder Gesellschafterinnen in den Städten und auf adligen Landgütern zu arbeiten. Das Buch bringt ihre Geschichten zurück ins öffentliche Gedächtnis.

Mit Beiträgen von Architektur über Design, Theater, Tanz, Oper, Film, Kunst, Musik bis zu Unterhaltung vermittelt die audio-visuelle Kulturplattform der Schweiz arttv.ch auch im kommenden Jahr Kulturproduktionen aus dem Aargau und verschafft diesen Gehör.

Sie prägten den Aargau

In den Jahren 2018 und 2019 widmen sich verschiedene Projekte wichtigen Persönlichkeiten im Aargau. Die grosse Mundartschriftstellerin Sophie Haemmerli-Marti (1868–1942) wuchs in Othmarsingen auf und besuchte die Bezirksschule in Lenzburg und das Lehrerinnenseminar in Aarau. Im Rahmen ihres 150. Geburtstags finden von Februar bis Dezember 2018 in Othmarsingen und Lenzburg verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen statt, welche die grosse Hinterlassenschaft Sophie Haemmerli-Martis aufzeigen: Hunderte Kindergedichte und Erzählungen, wovon viele vertont und zu Volksliedern wurden.

In den 1960ern begannen die ersten Kantone, in eigenen Kulturgesetzen ihre spezifische Kulturpolitik festzuschreiben. Der Aargau zählte mit der gesetzlichen Verankerung des Kuratoriums zu den Pionieren. Dabei leitete die Verantwortlichen der Grundgedanke, dass die öffentliche Förderung der Künste durch ein ehrenamtlich arbeitendes Gremium und unabhängig von Politik und Verwaltung erfolgen soll. Das Aargauer Kuratorium erinnert in Gesprächen, einer Publikation und Veranstaltungen im Jahr 2019 an diese bedeutende kulturpolitische Weichenstellung.

Ebenfalls nicht aus dem Aargau wegzudenken ist das Erbe der Habsburger. Mit einer Musikauswahl aus der Zeit zwischen 1500 und 1900 geben die Organisatoren der Reihe "Musik der Habsburger" in der Klosterkirche Muri Einblick in die musikalische Welt der Habsburger Höfe.

Laute und leise Töne

Am regionalen Akkordeonfest Nordwestschweiz treffen am 9. Juni 2018 in Erlinsbach rund 400 Akkordeonspielende aus rund 20 Vereinen aus dem Aargau, Basel-Land und Basel-Stadt zusammen. Sie zeigen bei Wettspielen in verschiedenen Kategorien ihr Können und unterhalten zugleich Besucherinnen und Besucher. Eher unaufgeregte Momente sucht das Festival der Stille in Bad Zurzach, Kaiserstuhl, Fisibach, Hohentengen am Hochrhein (D) und Erzingen (D), welches seit 2008 mit einem Konzertangebot in den Bereichen Barock-, Volks- und Jazzmusik die Ausnahme im vielerorts sehr kommerziellen Angebot sucht.

Gar nicht still wird wohl die zweite grosse Produktion des Theatervereins B'Bühne sein, welche mit "Es brennt" in der Alten Reithalle in Aarau das grosse Engagement der Feuerwehr ins Zentrum rückt. Eher tiefe Temperaturen verspricht ein Musiktheater und Vermittlungsprojekt des collectif barbare. Angelehnt an Schuberts "Winterreise", führt das Stück das Publikum in der Alten Reithalle in eine Winterlandschaft, in der sich die Grenzen zwischen begehbarer Installation und Musiktheater auflösen. Inklusive Decken, Suppe und Bettflaschen für das Publikum.

Im Wandel

Eine Reise nach Westen wagt das Nachwuchs- und Schülerbandfestival bandXaargau: Für die kommende Ausgabe ist eine Ausdehnung des Wettbewerbs nach Solothurn geplant. In Lenzburg steht im Frühsommer 2018 der "Wandel" des Ortes im Vordergrund. Der Verein Lenzburger Gesellschaft für Fotografie lanciert erstmals mit lokalen Partnern ein Fotofestival und setzt sich künstlerisch mit den Veränderungen in der Stadt, Fragen zu Identität, Abgrenzung und Zusammenleben auseinander.

In vielen verschiedenen Ländern, darunter Italien und Japan, hat die luxemburgische Künstlerin Su-Mei Tse bereits gewirkt. In der Sonderausstellung "Nested" im Aargauer Kunsthaus von Mai bis August 2018 werden die Früchte ihrer mehrjährigen künstlerischen Tätigkeit präsentiert. In den Ausstellungsräumen treten Musik, Geräusche und Stille in ein faszinierendes Wechselspiel. In ihnen scheint die Zeit in einem veränderten Rhythmus zu vergehen.

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Quelle: Kanton Aargau

13.12.2017