Militärische Ausbildung lohnt sich

Die Buchdruckerkunst ist die Artillerie des Denkens.

Antoine Comte de Rivarol

Bild ZVGSchweizer Armee

Ab Anfang 2018 erhalten Armeekader eine finanzielle Ausbildungsgutschrift. Die Beiträge variieren je nach Grad und Funktion zwischen 3300 und 11'300 Franken. Weiterhin gibt es auch andere Möglichkeiten, die Anreize für die Kaderlaufbahn und den Dienst bei der Schweizer Armee schaffen.

Eine verbesserte Kaderausbildung ist einer der vier Schwerpunkte der Weiterentwicklung der Armee (WEA). Mit Umsetzung der WEA ab 1. Januar 2018 gilt es, die besten Kandidatinnen und Kandidaten für eine Weiterausbildung zu gewinnen und anhand einer effektiven Kaderausbildung optimal auf ihre Aufgaben vorzubereiten. Wer sich für eine Laufbahn als höherer Unteroffizier oder Offizier bei der Armee entscheidet, soll pro erreichte Gradstufe einen Betrag erhalten, den er oder sie für eine zivile Aus- oder Weiterbildung verwenden kann. Der Bundesrat hat am 22. November 2017 die Verordnung über die finanzielle Ausbildungsgutschrift für Milizkader genehmigt. Er präzisiert damit die Vorgaben des neuen Militärgesetzes. Abhängig von Dienstgrad und Ausbildungsdauer wird Armeekadern eine finanzielle Ausbildungsgutschrift für Studien-, Schul-, Kurs- und Prüfungsgebühren gewährt.

Die Ausbildungsgutschrift wird in dieser neuen Verordnung verbindlich geregelt. Sofern alle Bezugsberechtigten innerhalb eines Jahres den maximalen Betrag der Ausbildungsgutschrift beziehen, wären mit jährlichen Ausgaben von rund 18 Millionen Franken zu rechnen. Das VBS geht aber davon aus, dass diese Grössenordnung bei weitem nicht erreicht wird, da nicht alle Kader eine zivile Aus- oder Weiterausbildung in Angriff nehmen. 

Anspruchsvoraussetzungen

Von der Ausbildungsgutschrift für zivile Aus- oder Weiterbildungen können Milizkader profitieren, die die Kaderschule und den praktischen Dienst für die Ausbildung zum höheren Unteroffizier oder zum Offizier bis Stufe Stäbe der Truppenkörper erfolgreich absolviert haben. In den Genuss der Gutschrift kommen auch Personen, welche die militärische Weiterausbildung für den entsprechenden Grad frühestens per 1. Juli 2017 begonnen und am 31. Dezember 2017 noch nicht abgeschlossen haben.

Die Milizkader melden sich gemäss dem Konzept zu einer zivilen Aus- oder Weiterbildung an und besuchen diese. Wenn sie die Aus- oder Weiterbildung absolviert und die Rechnung bezahlt haben, können sie den Antrag für die Gutschrift stellen . Sie füllen das entsprechende Formular aus und senden es mit der Rechnung und weiteren Dokumenten an das Personelle der Armee. Fachspezialisten prüfen das Dossier. Nach dem Entscheid über die Anspruchsberechtigung wird der Betrag dem Angehörigen der Armee ausbezahlt.

Zivile Aus- oder Weiterbildung

Konkret können Gutschriften für eine Reihe von zivilen Aus- oder Weiterbildungen gesprochen werden:

• Programme, welche das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation anerkennt und die zu einem anerkannten Abschluss an einer eidgenössisch oder kantonal anerkannten Ausbildungsstätte führen

• Sprachausbildungen mit Abschluss (A1, A2, B1, B2, C1, C2, europäischer Referenzrahmen)

• Aus- und Weiterbildungen mit einem Zertifikat oder Diplom der Schweizerischen Vereinigung für Führungsausbildung (SVF)

Die Studien-, Schul-, Kurs- und Prüfungsgebühren werden finanziert. Nicht finanziert werden alle übrigen Auslagen im Zusammenhang mit der Aus- oder Weiterbildung, wie insbesondere Lebenshaltungskosten sowie Kosten für Transporte, Miete oder Kauf von Werkzeugen, Instrumenten, Geräten oder weiteren Anschaffungen.

ECTS-Kreditpunkte und Praktikumsnachweise

Nicht nur die beschlossene Ausbildungsgutschrift ist ein Anreiz, eine Kaderlaufbahn bei der Armee einzuschlagen. Die in einer Kaderausbildung der Schweizer Armee erworbenen «Soft skills» sind im zivilen Arbeitsumfeld gleichermassen von grossem Nutzen: Stressresistenz und Sozialkompetenz, erprobte Führungsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen. Der Militärdienst lohnt sich aber auch für die Aus- und Weiterbildung, unter anderem dank Kooperationsvereinbarungen zwischen höheren Bildungseinrichtungen und der Armee.

Die Weiterentwicklung der Armee WEA sieht vor, dass die Rekrutenschule (RS) für alle 18 Wochen dauert. Neu ist aber auch, dass die Kader das erworbene Wissen während der gesamten viereinhalb Monate im Praktischen Dienst vertiefen. Diejenigen unter den Rekrutinnen und Rekruten, die als zukünftige Kader ausgewählt worden sind, absolvieren zwischen RS-Ende und Beginn des Praktischen Dienstes einen einwöchigen Kadervorkurs. Für eine zivile Ausbildung, sei es ein Kurs, Bewerbungsgespräche oder Ähnliches beurlaubt die Armee ihre zukünftigen Kader vor dem Ende der RS für bis zu drei Wochen. Für Studienvorbereitungen können Rekruten an fünf frei wählbaren Tagen frei nehmen. Die vorzeitige Entlassung wird im Rahmen der WK-Dienstleistung kompensiert.

Das langfristige Ziel ist es, dass sich Ausbildungen im zivilen und militärischen Bereich möglichst ergänzen. In diesem Rahmen sucht die Höhere Kaderausbildung der Armee (HKA) seit 2007 die Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. Die in der militärischen Führungsausbildung und -praxis erworbenen Fähigkeiten sollen an Grund- und Weiterausbildungsprogramme in Form von ECTS-Kreditpunkten oder eines Praktikumsnachweises angerechnet werden. Bis September 2017 sind Verträge mit sechs Universitäten, einer Fern-Uni, acht Fachhochschulen und einer Pädagogischen Hochschule in allen Landesteilen abgeschlossen worden. Bis Ende 2018 sollen flächendeckend mit allen höheren Bildungsinstitutionen der Schweiz Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen worden sein.

Mehrwert im zivilen Leben

Der Armee ist die Verbesserung der Vereinbarkeit von ziviler Ausbildung und militärischer Dienstleistung ein Anliegen. Deshalb bietet die Armee schon länger viele weitere Ausbildungsmöglichkeiten  an. Die entsprechenden Ausbildungsnachweise sind zivil anerkannt. Damit können sich junge Menschen ohne grösseren zeitlichen und finanziellen Aufwand für ihre berufliche Zukunft rüsten. Die Bandbreite der möglichen Abschlüsse ist gross. Sehr beliebt sind Fahrausbildungen. Vom Gabelstaplerfahrer Kat F bis zur Berechtigung des Transports von Gefahrengütern, vom zivilen Sprengausweis Kat B bis zur Lizenz zum Funkamateur HB-3. Die Lastwagenprüfung ist schon länger ein Klassiker.

Das Zertifikat Pflegehelfer SRK hilft beim Einstieg in den Pflegebereich, und die Hufschmiede können die Rekrutenschule als Teil ihres 4. Lehrjahres anrechnen lassen. Der Grundausbildungsdienst als Truppenkoch oder als Küchenchef ist anrechenbar als ein 2–3 monatiges Vorstudienpraktikum für den Studiengang Lebensmittelwissenschaften. Und die vollständig absolvierte Rekrutenschule bei den Genie- und Rettungstruppen wird als 1–2 monatiges Praktikum für die Zulassung zum Studiengang Waldwissenschaften anerkannt.

Quelle: Schweizer Armee

24.11.2017

Ausbildungsgutschrift für eine militärische Weiterausbildung

nach Grad und Funktion

Betrag

Fourier / Einheitsfeldweibel

max. CHF 10'100.–

Feuerleitstellen-Unteroffizier (Feldweibel)

max. CHF 4300.–

Subalternoffizier (Zugführer)

max. CHF 10'600.–

Einheitskommandant

max. CHF 11'300.–

Führungsgehilfe Truppenkörper und Stabsoffizier

max. CHF 3300.–