Soldaten im Grosseinsatz im Spital Aarau

Ha, welche Lust Soldat zu sein!

François Adrien Boieldieu

Zwischen dem 22.11.2017 und dem 2.12.2017 leisten rund 90 Soldaten und Kader des Spitalbataillons 66 im Kantonsspital Aarau ein Einsatztraining. Dieses findet im Rahmen ihres Wiederholungskurses in Pflegedienst, Labormedizin, der Spitalpharmazie und anderen Bereichen statt. Der Einsatz entstand auf Initiative des stellvertretenden CEOs und wurde vom Spital tatkräftig unterstützt – ein Aufwand mit äusserst positivem Echo.

In der Labormedizin herrscht reger Betrieb, nichts lässt von aussen darauf schliessen, dass der Spitalbetrieb während zehn Tagen alles andere als gewöhnlich abläuft. Wachtmeister Damian Grichting ist konzentriert bei der Arbeit. Aktuell geht es darum, Messungen eines neuen Gerätes zu validieren. Auch beruflich befasst sich der gelernte Chemikant und Bachelor-Absolvent eines Life Sciences-Studiums mit der Anlagen-Validierung, dies jedoch im Bereich Biotech-Produktion.

Zusatzwissen für den zivilen Job

Im Kantonsspital Aarau absolviert Grichting nun seinen vierten Wiederholungskurs. Allerdings ist es das erste Jahr, in welchem er direkt im Spital zum Einsatz kommt. Zuvor war er typischerweise mit organisatorischen Aufgaben betraut, berichtet er. «Einige der Tätigkeiten hier sind Routinearbeiten. Bei der Datenauswertung allerdings wird es interessant. Wir haben Excel-Datenbanken, die bis zu 80‘000 Zellen umfassen, da braucht es spezielles Wissen. Dieses werde ich sehr gut in meinem zivilen Job anwenden können», stellt er zufrieden fest.

«Ich fehle nur halb»

Gefreite Nadine Levy vom Rotkreuzdienst ist biomedizinische Analytikerin und seit Juli dieses Jahres Angestellte im Kantonsspital Aarau. Dass sie ihren zweiten WK gleich an ihrem Arbeitsplatz absolviert, ist Zufall. Levy wird gezielt eingesetzt als Projektbetreuerin für die AdA im Labor. Zugleich stellt sie sich Ihrer Fachbteilung Klinische Chemie zur Verfügung, um in der sogenannten Routine, also der Tagesarbeit, mit anzupacken. «Daher kann man sagen, dass ich nur halb fehle», erklärt sie. Levys Doppelrolle wird bei diesem Einsatz gezielt eingesetzt: sie fungiert als direkte Verbindung zwischen dem militärischen Team und dem Laborteam und kann auf die gegenseitigen Bedürfnisse gezielt eingehen.

Während Nadine Levy normalerweise täglich mit dem Velo zur Arbeit fährt, hat sie im WK die weitere Anreise: Das Spitalbataillon 66 verschiebt mit dem Zug täglich aus ihrer Truppenunterkunft nach Aarau. Levy nimmt diese Umwege jedoch nicht ungern auf sich: «Ausserhalb der Arbeitszeiten erzählen wir uns untereinander, was wir tagsüber hier machen. Ich lerne dabei viel darüber, was im Kantonsspital Aarau auf anderen Abteilungen für Dienstleistungen erbracht werden.» Ferner sei die Kameradschaft sehr gut. Man habe sich stets so viel zu berichten, dass die Smartphones nur selten benutzt werden, der Fernseher erst recht nicht. «An diesem Einsatz schätze ich ganz besonders den Austausch und die Kameradschaft.»

«Die Vorbereitung ist der grösste Teil der Arbeit»

Die grosse treibende Kraft hinter diesem Einsatz ist Prof. Dr. med. Andreas Huber, ehemaliger Oberst im Stab LBA und Chef Labormedizin stellvertretender CEO. Sein eigener Militärdienst stand am Anfang dieses Grossprojektes: Huber wurde als damals noch aktiver Miliz-Oberst vom Chef der Armee angefragt, ob er bereit wäre, einen Einsatz im Kantonsspital Aarau zu unterstützen. Überzeugt vom gegenseitigen Mehrwert sagte Huber nach Rücksprache mit der Geschäftsleitung zu. Die Vorbereitungen nahmen am meisten Ressourcen in Anspruch, sagt er: «Die Planungsphase war ungeheuer arbeitsintensiv und umfasste den grössten Teil der Arbeit», so Huber. «Einen solchen Einsatz haben wir noch nie gemacht, daher gab es vieles zu koordinieren.»  Andreas Huber fungiert während des Einsatzes als Schnittstelle zwischen dem Bataillonskommandanten, Oberstleutnant Alfio Finochiaro und dem Kantonsspital.

Besonders gefreut hat es Huber, dass auch die Kader des Kantonsspitals von Anfang an mit Enthusiasmus dabei waren und bereit, Mehrarbeit in das Projekt zu investieren. Glück hatte die Belegschaft auch mit einer kompetenten Labormanagerin Karin Mosimann, die wesentlich zum Erfolg des Einsatzes beigetragen hat. «Bei der Planung steckt bekanntlich der Teufel im Detail. Unsere Labormanagerin hat mit ihrem Geschick und Organisationstalent alle Fäden immer sicher in der Hand.», erklärt Huber.

Ein Spital-WK bringt tatsächlich für beide Seiten Vorteile: Neben dem Wissenstransfer profitiert das Team im Spital von der motivierenden Atmosphäre, wenn neue Mitarbeitende Seite an Seite mit ihnen arbeiten. «Diese temporäre personelle Veränderung scheint motivierend zu sein», stellt Huber zufrieden fest.

Am wichtigsten bleibt jedoch der Aspekt, dass die Spitäler bei grossen Ereignissen stark auf Unterstützung von aussen angewiesen sind. Wegen der vielen Sparrunden in den Kantonen laufen alle Spitäler bereits im Normalmodus am personellen Limit. Wenn dazu ein grösseres Ereignis eintritt, benötigen sie sofort Hilfe von aussen oder müssen die Patienten auf die ganze Schweiz verteilen. «Schon daher ist ein Einsatz wie dieser sehr wichtig», so Hubers Fazit.

Quelle: Schweizer Armee

Bilder: Schweizer Armee (Bild 4 ZVG Kantonsspital Aarau)

2.12.2017

Spitalbataillon 66 im Einsatz in Aarau