Von der Schulbank zum Jetpiloten-Sitz

Wer fliegen will, braucht Flügel.

Englisches Sprichwort

Patrouille Suisse-Pilot Hauptmann Martin «Jaydee» Schär kehrte an zwei Tagen in seine ehemalige Schule zurück und gab Einblick in den ungewöhnlichen Berufsalltag des Militärpiloten. Er zeigte, dass es viel Einsatz und Biss verlangt sowie was es braucht, um diesen Traumberuf ausüben zu können. Und doch: Es ist möglich. Von Ruth van der Zypen

Einst war auch er ein Lernender Polymechaniker und später Berufsmaturitätsschüler. Nun steht Hauptmann Martin Schär, korrekt gekleidet im Pilotenkombi, in der vollbesetzten Aula vor rund 250 Berufsschülerinnen und –schülern in Langenthal und präsentiert seinen beruflichen Werdegang. Nach der Lehre im Bereich Präzisionsmaschinenbau sowie der Berufsmaturität folgten die Rekrutenschule und Offiziersschule. Danach absolvierte Schär die Pilotenausbildung mit Bachelorlehrgang in Aviatik in Winterthur. Seit fast fünf Jahren ist er als Militärpilot brevetiert und verfügt über 1400 Flugstunden.

Hauptmann Schärs Pilotenname «Jaydee» stammt übrigens auch aus der Umgebung von Langenthal. «Mein Vater verkaufte Traktoren der Marke John Deere», erklärte er auf Anfrage. Die Anfangsbuchstaben J und D auf Englisch ausgesprochen ergeben nun seinen Spitznamen.

Eignung und Vorschulung

Der Einstieg erfolgt via SPHAIR, die fliegerische Vorschulung für Anwärter als Piloten oder Fallschirmaufklärer. Dort startet die Karriere jedes Militärpiloten. Nach einer ersten Eignungsprüfung können junge Interessierte sehr kostengünstig eine zweiwöchige Flugschul-Ausbildung machen. Diese kann der Einstieg sein zum Beruf des zivilen Piloten oder des Militärpiloten. Hauptmann Martin Schär bestätigte dem Publikum, dass die Pilotenselektion ein äusserst strenges Verfahren ist. Von den Kandidaten zu Anfang schaffen es nur wenige schliesslich ins Cockpit des Militärjets. Doch wie auch Martin Schär bestätigt: «Einen müssen sie am Schluss ja nehmen». Die gute Nachricht: Es war am Schluss mehr als einer, und auch Martin Schär war unter ihnen.

Wahres und Gerüchte

Gewisse Voraussetzungen müssen erfüllt sein, andere sind jedoch nicht zwingend erforderlich oder wurden in der Vergangenheit geändert. Zu allererst, dass nur Männer Piloten werden können. In der Armee gibt es aktuell sechs Helikopterpilotinnen, und im Dezember 2017 wird die erste Jetpilotin brevetiert und beginnt die Umschulung auf den F/A-18. Ein weiterer Mythos ist, dass Brillenträger nicht als Piloten zugelassen werden. Hauptmann Schär ermutigt das Publikum: «Nicht abschrecken lassen, anfragen und probieren!»

Die Lehrpersonen im Publikum hören es gerne: Unter den verschiedenen Fachkenntnissen und Fertigkeiten sind für Piloten auch Fremdsprachen wichtig. Englisch ist die Sprache der Luftfahrt und des Funkverkehrs. Und da Hauptmann Schär in Payerne eingeteilt ist, bekäme er ohne passables Französisch in der Kantine womöglich kein Mittagessen, wie er hinzufügt.

Alltag ohne Alltagsblues

Anschaulich präsentiert Schär, wie eine Woche im Berufsleben eines Militärpiloten aussehen kann. Briefings, Trainingsflüge, Debriefings, aber auch Luftpolizeidienst-Einsätze, also Einsätze der Armee zum Schutz des Schweizer Luftraums. Solche Einsätze erfolgen etwa, wenn eine ausländische Maschine ohne Überflugerlaubnis über die Schweiz fliegt. Und sie erfolgen, so betont der Militärpilot, in Zukunft nicht mehr nur zu Bürozeiten. Im Falle von Hauptmann Schär kommt hinzu, dass er als Mitglied der Patrouille Suisse an Flugvorführungen teilnimmt und diese entsprechend trainiert. Piloten müssen eine ungeheure Leistung erbringen, körperlich und zeitlich. Und dennoch, so betont Hauptmann Schär: «Den schnellsten Arbeitsplatz der Schweiz zu haben, ist mehr als nur ein Beruf und für mich den grossen Einsatz wert.» 

Quelle: Schweizer Armee

Bilder und Video: ZVG Schweizer Armee

19.11.2017

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