Infanterie RS 12

Je weniger Fehler du machst, desto besser geht es dir.

Rekrut Monotti

Es gibt nicht nur das WEF im Kanton Graubünden. Vor wenigen Tagen sind hunderte Rekruten aus der ganzen Schweiz in die Infanterie RS 12 in Chur eingerückt. Cuminaivel hat sechs von ihnen während der zweiten RS-Woche getroffen und ihren Puls gespürt.

Da stehen sie mit ihren frisch eingefetteten neuen Kampfstiefeln und frisch rasierten Gesichtern. Kein einziges Barthaar ist zu entdecken. Die geforderte Disziplin ist deutlich zu erkennen. Wir treffe die sechs strammstehenden Rekruten in Reih und Glied, als wären sie gerade am Morgenappell. Seit Dienstbeginn sind gerade mal 10 Tage vergangen und die «tarnfarbene Taufe» hat bereits Spuren im Auftreten der Rekruten Bertona, Monotti und Stucky aus dem Tessin und Müller, Rindisbacher und Zurbuchen aus der Deutschschweiz hinterlassen. «Was wir bisher gelernt haben? Je weniger Fehler du machst, desto besser geht es dir» erklärt Monotti ohne zu zögern. Monotti und Bertona sind im Zug Ambus, der ausschliesslich aus Tessinern besteht. Doch eine Besonderheit der Rekrutenschule in Chur, genauso wie während des Einsatzes der Armee am WEF, ist die Mehrsprachigkeit (inklusive Romanisch) und die Kulturvielfalt der Rekruten, die aus jeder Ecke der Schweiz kommen.

Nach nur wenigen Sätzen spüren wir den positiven Wettkampfgedanken, der oft zwischen den einzelnen Zügen mit viel Enthusiasmus ausgetragen wird. «Im Zug Ambus ist die Disziplin die höchste Anforderung unseres Zugführers», behauptet Monotti mit unterschwelligem Stolz. Stucky erwidert sofort: «Im Zug Bivio werden wir sehr häufig in die Verantwortung gezogen. Es ist kontraproduktiv, die Rekruten wegen jeder Kleinigkeit zu tadeln.» Doch auch Rekrut Bertona erzählt seine Geschichte, als seine Kameraden und er für ihr Fehlverhalten gerade stehen mussten. «Ich gebe zu, unser Benehmen war wirklich schlecht und die Strafe gerechtfertigt. So schnell werden wir es nicht mehr machen», unterstreicht Monotti. Es sind Kleinigkeiten, die nebst der Ausbildung und den Übungen den Alltag der Rekruten prägen; vom Appell über die Zimmerordnung bis hin zu den «Fak»-Ausgängen. In den nächsten Tagen ist ein solcher Ausgang vorgesehen, doch vorher müssen sie einen Test bestehen, den so mancher Cuminaivel-Leser noch in bester Erinnerung hat: die Prüfung über die verschiedenen Dienstgrade. Genau diese Dienstgrade werden zum Gespräch, als Stucky zu Grübeln beginnt, ob der Strich im Soldatenzeichen nun nach links-oben oder rechts-oben ausgerichtet ist.

Aus den Gesprächen wird schnell klar, wie stark die militärischen Umgangsformen bereits nach wenigen Tagen die Rekruten prägen. Wenn man all diese Erfahrungen gesammelt in ein Konzept übertragen müsste, was käme da heraus? «Mannschaftssport» beginnt Rindisbacher. «Sich gegenseitig helfen und nicht immer an sich selbst denken» ergänzt Müller. Auch Zurbuchen denkt sofort an die Kameradschaft. Genau in diesem Zusammenhang stellt Cuminaivel fest, dass die Sprachbarriere bei weitem kein Hindernis darstellt, sondern eine zusätzliche Begegnungsmöglichkeit ist und für gegenseitiges Verständnis sorgt. Auch Stucky hebt noch zwei weitere wichtige Aspekte einer Rekrutenschule hervor: «Die zur Verfügung stehende Zeit zu schätzen und sich der eigene Kraft bewusst zu sein». Bertona erinnert sich soeben: «Als sie mir sagten, ich hätte gerade mal 10 Minuten Zeit um zu duschen und bereit zu stehen, fragte ich mich, wo ich gelandet bin. Ach ja, und der Krawattenknopf, ich hatte keine Ahnung, wie ich überhaupt beginnen sollte.»

Jeder vermisst den zivilen Alltag, was durch viele Kleinigkeiten immer wieder auffällt. «Was uns am meisten fehlt? Bestimmt der Schlaf», erwähnt Rindisbacher. «Aber auch die Familie», ergänzt Müller sofort. Zurbuchen hingegen vermisst die freie Stunde am Tag, während der er sich mit seiner Spielkonsole vergnügen kann. Dann überschattet Stucky mit einer annähernd philosophischen Aussage seine Kameraden: «Es besteht eine poetische Komponente darin, seine Liebsten zu verlassen, um in den Dienst einzurücken. Tag für Tag werden die Kameradschaften vertieft und die Freundschaften intensiviert. Die einmaligen und gemeinsamen Erlebnisse stärken die Bindungen zwischen jungen Männern mit völlig unterschiedlicher Herkunft». «Denn schliesslich sitzen wir alle im gleichen Boot», beendet Monotti.

Quelle: Schweizer Armee

Bilder ZVG: Schweizer Armee

29.1.2018

Infanterie RS 12 in Chur