Christoph Blocher: Wer sucht, der findet

Christoph Blocher

In der Morgenfrühe sitze ich jeweils auf einen Wegwerfstuhl.

Christoph Blocher

Auch Christoph Blochers 28 Gratisblätter der Swiss Regio Media, die er seinerzeit der Zehnder-Gruppe abkaufte, wurden von der Coronakrise arg gebeutelt. Doch im Gegensatz zu den «systemrelevanten» Presseerzeugnissen der Schweiz erhielten Blochers Lokalblätter keine finanzielle Unterstützung aus der sprudelnden Corona-Giesskanne des Bundes. Und so kam es, dass sich der umstrittene Politiker vom Herrliberg an die Schreibmaschine setzte und seither wöchentlich eine Kolumne zur Unterstützung seiner Gratisblättchen veröffentlicht.

Im Engadin habe ich viele Schweizerinnen und Schweizer getroffen, die jetzt statt Sandstrände die Schweiz entdeckten. Vor dem Segantini-Museum in St. Moritz kam eine mir unbekannte Frau auf mich zu. Sie sei ergriffen von Farbe, Licht und Stimmung von Segantinis Bildern! Ohne Pandemie, meinte sie, hätte sie diese monumentalen Bilder wohl nie kennengelernt. «Wer war denn dieser Segantini?», wollte sie wissen.

Giovanni Segantini sei 1858 in Arco geboren, verlor als Siebenjähriger die Mutter und ein Jahr später auch den Vater, ging durch missliche Verhältnisse, trieb sich auf den Strassen Mailands herum und kam in eine Erziehungsanstalt, wo er Schuhmacher lernte. Dem Anstaltsleiter fiel seine zeichnerische Begabung auf. Er wurde zum Maler. Früh behandelte er das Licht und die Farben ganz neuartig.

Segantini verliess Italien, weil er Steuern nicht bezahlte und Gläubiger im Stich liess. Er strebte auch nach mehr Helle, Licht und Klarheit. So suchte er die Bergwelt, liess sich im bündnerischen Savognin und später im Oberengadin nieder. Dort entstanden die grossartigen Alpenwerke. Segantini gehörte schliesslich zu den bestbezahlten Malern seiner Zeit – aber Geld hatte er nie. Er malte schliesslich nur noch im Freien, zuletzt auch auf dem Schafberg im Engadin – auf 2700 Metern in winterlicher Kälte. Dort erkrankte Segantini. Der herbeigeholte Arzt konnte ihm in den eisigen Nächten nicht mehr helfen. Er starb 41-jährig und hinterliess uns ein grossartiges, zeitloses Werk.

«Warum weiss man das alles nicht?», staunte die Frau. «Wer sucht, der findet», brummte ich vor mich hin. Ich empfahl ihr zu suchen, «dann werden Sie finden und dann begreifen Sie, wie sehr Mensch, Tier und Natur eine Einheit darstellen».

Von Christoph Blocher

Quelle: Swiss Regio Media

30.8.2020

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