Die Auswirkungen der Corona-Pandemie für den Schweizer Handel

Bundesrat Ignazio Cassis

Da die Schweiz ein Volk von fleissigen Ameisen ist, ist es ihr gelungen, die Coronakrise zu bewältigen.

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Handel

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Symbolbild by Jarosław Bialik from Pixabay

Die Pandemie hat den Handel in der Schweiz stark verändert. Die aktuelle Studie «Corona-Auswirkungen und Lehren für den Handel» des Forschungszentrums für Handelsmanagement an der HSG zeigt, dass die Mehrheit der befragten Handelsunternehmen in der Krise eine Chance sehen.

Prof. Thomas Rudolph, Leiter des Forschungszentrums für Handelsmanagement der HSG, stellt die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Webcast «Die Corona-Krise als Chance» vor. Unter seiner Moderation sprechen Fabrice Zumbrunnen (CEO, Migros), Christoph Werner (CEO, dm), Roman Hartmann (CEO und Gründer, Farmy), Nina Müller (CEO, Jelmoli) und Beat Grüring (CEO, Tally Weijl) zudem über ihre Erfahrungen während des Lockdowns. Sie beschreiben zentrale Veränderungen in der Unternehmensführung und wichtige Lehren aus der Krise.

Studie über Pandemiefolgen für den Handel

Die Studie zeigt, dass das Management der Schweizer Handelsunternehmen viele neuen Möglichkeiten sieht, welche sich aus der Corona-Krise: die meist genannte Chance aus der Krise ist es, die Digitalisierung im eigenen Unternehmen voranzutreiben (genannt von 34% der Befragten), gefolgt vom Ausbau des Online-Geschäfts (genannt von 28%) und verstärkter Flexibilität im Job durch Home-Office (genannt von 23%).

Ausserdem gibt fast die Hälfte der Befragten an, dass die Kundenloyalität zugenommen hat (48%). Die Auswirkungen des Lockdowns variieren stark je nach Branche und Verkaufskanal: Während der Umsatz der Online-Kanäle seit Beginn des Lockdowns über alle Branchen hinweg im Schnitt um 67% gestiegen ist, ist der Umsatz der Offline-Kanäle um 6% gesunken. Einzig die Befragten aus der Lebensmittelbranche geben an, dass ihr Offline-Umsatz im Schnitt um 8% gestiegen ist.

Ein Fünftel der Befragten gibt an, dass ihr Unternehmen in den vergangenen sechs Monaten Mitarbeitende entlassen musste; über die Hälfte der befragten Firmen mussten Kurzarbeit anmelden. Ein Blick in die Zukunft zeigt jedoch ein positiveres Bild: In den kommenden sechs Monaten rechnen jedoch nur 12% mit weiteren Entlassungen und nur 22% damit, dass Kurzarbeit zum Einsatz kommt. Zudem kann sich nur jeder fünfte Befragte vorstellen, dass es zu einem zweiten Lockdown kommen könnte (19%). Das wichtigste Learning der Krise war, dass die Mitarbeitenden im Home-Office (genannt von 32% der Befragten) effizienter und effektiver arbeiten. Weiterhin haben 31% die Digitalisierung als entscheidenden Erfolgsfaktor erkannt. 27% der Befragten haben gelernt, dass Agilität und Flexibilität das Überleben in der Krise sichern können.

Die Umfrage führten Prof. Dr. Thomas Rudolph, Direktor des Forschungszentrums für Handelsmanagement (IRM-HSG), Kathrin Neumüller, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin, und Nora Kralle, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin, an der Universität St.Gallen durch. Detaillierte Statistiken der Studie können kostenlos über das Online-Portal bezogen werden: https://www.handelsliteratur-hsg.ch/studien/details/#cc-m-product-11849814597. Für die Studie «Corona-Auswirkungen und Lehren für den Handel» wurden 132 Angestellte in Führungspositionen in Schweizer Handelsunternehmen befragt. Die Studie bezieht sich auf den Schweizer Detailhandel: Unter allen Befragten stammen 21% aus der Lebensmittelbranche zu, 11% aus der Textil- und Bekleidungsbranche und 8% aus der Einrichtungsbranche zu.

Retail Summit und Webcast: Fünf CEOs sprechen über die Lehren aus der Krise

Im Webcast diskutieren fünf CEOs von Handelsunternehmen über die Wichtigkeit von Flexibilität und Agilität in der Krise: Für Herrn Werner (dm drogerie-markt) war es die grösste Herausforderung in der Corona-Krise, dass «die Effizienz der bestehenden Logistikprozesse in Frage gestellt» wurde. Laut Herrn Grüring (Tally Weijl) sind «die Silos im Unternehmen zusammengebrochen» und Entscheidungen werden nun an der Basis getroffen. Er sieht darin die Chance, Mitarbeitende weiter zu befähigen und so die Agilität im Unternehmen voranzutreiben.

Um dem plötzlichen Nachfrageschub gerecht zu werden, musste die Firma Farmy schnell handeln: Gemäss Herrn Hartmann (Farmy) ist es dem Unternehmen gelungen, «das Volumen, das wir verpacken können, innerhalb von wenigen Wochen zu verfünffachen». Laut Herrn Zumbrunnen (Migros) war dies jedoch nicht nur eine Frage der Optimierung interner Prozesse – bei der Migros «haben wir die physischen Grenzen des digitalen Handels (in Form von Engpässen bei der Post) gespürt». Auch wenn sich alle Teilnehmenden einig sind, dass der Online-Handel durch die Corona-Krise stark an Relevanz gewonnen hat, ist es gemäss Frau Müller (Jelmoli) eines der wegweisenden Zukunftsthemen bei Jelmoli, wie die «Fläche so gestaltet werden kann, dass der stationäre Einkauf ein Erlebnis bleibt».

Quelle: Universität St. Gallen

4.10.2020

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