Schweizer Reallöhne 2019 erstmals seit zwei Jahren wieder gestiegen

Hermann Josef Abs

Die Statistik ist wie eine Laterne im Hafen. Sie dient dem betrunkenen Seemann mehr zum Halt als zur Erleuchtung.

Hermann Josef Abs

Schweizer Franken

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Bild Pixabay

Der Nominallohnindex stieg im Jahr 2019 gegenüber 2018 um durchschnittlich 0,9% auf 102,5 Punkte (Basis 2015 = 100). Gemäss den Berechnungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) ergibt sich unter Einbezug einer mittleren Jahresteuerung von +0,4% bei den Reallöhnen in der Gesamtwirtschaft eine Zunahme von 0,5% (101,1 Punkte; Basis 2015 = 100).

2019 stiegen die Nominallöhne gegenüber dem Vorjahr durchschnittlich um 0,9% (2018: +0,5%; 2017: +0,4%; 2016: +0,7%). Damit wurde der seit 2010 beobachtete Trend einer moderaten Entwicklung von höchstens +1,0% pro Jahr (nominal) 2019 erneut bestätigt.

Die Entscheide in Bezug auf die Lohnerhöhung 2019 wurden in der Regel im Herbst 2018 und damit in einer Periode gefällt, in der die Teuerung für 2019 auf +0,5% geschätzt wurde. Diese belief sich schliesslich auf +0,4%. Aufgrund der Anpassung der Nominallöhne an die Teuerung nahm die Kaufkraft der Löhne damit zum ersten Mal seit zwei Jahren zu.

Bei den wichtigsten Gesamtarbeitsverträgen (GAV), denen fast eine halbe Million Arbeitnehmende angeschlossen sind, wurde für 2019 kollektivvertraglich eine Effektivlohnerhöhung (Nominallöhne) von 0,5% vereinbart.

Nominallöhne im sekundären Sektor um 0,9% gestiegen

2019 stiegen die Nominallöhne im Industriesektor gegenüber dem Vorjahr durchschnittlich um 0,9% (2018: +0,3%; 2017: +0,4%; 2016: +0,4%). Lediglich die Löhne im Wirtschaftszweig «Herstellung von Möbeln und sonstigen Waren, Reparaturen und Installationen» gingen zurück (–0,5%).

Die stärksten nominalen Zunahmen waren in den Wirtschaftszweigen «Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen, Uhren, elektrischen Ausrüstungen» (+1,7%) sowie «Herstellung von Holzwaren, Papier und Druckerzeugnissen» (+1,6%) zu beobachten. Am anderen Ende der Rangliste lag der Wirtschaftszweig «Kokerei, Herstellung von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen» (+0,1%). Bei der «Herstellung von Metallerzeugnissen» stagnierten die Löhne (0,0%).

Nominallöhne im tertiären Sektor um 0,9% gestiegen

Im tertiären Sektor belief sich die Nominallohnerhöhung 2019 auf 0,9% (2018: +0,5%; 2017: +0,4%; 2016: +0,8%). Die stärksten nominalen Anstiege verbuchten die Wirtschaftszweige «Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen» (+1,7%), «mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten» (+1,6%) sowie «Post-, Kurier- und Expressdienste» (+1,4%). Im Dienstleistungssektor stagnierten die Löhne im «Detailhandel» (0,0%) und gingen in den Wirtschaftszweigen «Handel mit Motorfahrzeugen; Instandhaltung und Reparatur von Motorfahrzeugen» (–0,6%) und «Gastgewerbe» (–0,8%) zurück.

Erste Reallohnerhöhung seit zwei Jahren (+0,5%)

Nachdem die Reallöhne während zwei aufeinanderfolgenden Jahren rückläufig waren (2017: –0,1%; 2018: –0,4%), nahm die Kaufkraft der Löhne 2019 wieder zu. Die relativ tiefe Inflationsrate (+0,4%) führte zusammen mit der Nominallohnerhöhung (+0,9%) in der Gesamtwirtschaft zu einem Reallohnanstieg von 0,5%. Durchschnittlich nahmen die Reallöhne im Industriesektor um 0,5% und im Dienstleistungssektor um 0,6% zu.

Die Reallohnentwicklung bewegte sich 2019 zwischen –1,1% und +1,3%. Diese grosse Bandbreite unterstreicht die Vielfalt der Lohndynamik in den einzelnen Wirtschaftszweigen.

Quelle: Bundesamt für Statistik

30.6.2020

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