Schlagzeile des Tages - 2021

Schlagzeilen des Tages

  • 17.1.2021 - Tag der Big Tech-Narrenfreiheit

    Darf Big Tech Kickl und Trump einfach abdrehen?

    Die Plattform Youtube hat nun eine Parlamentsrede von Herbert Kickl, dem Klubobmann der FPÖ im Nationalrat, gelöscht, weil sie "gegen die im Falle medizinischer Falschinformationen geltenden Regeln" verstoße.

    Die FPÖ ist de facto die einzige Impfgegner- und Corona-Leugner-Partei Österreichs. Kickl gibt zu diesen Themen haarsträubenden bis bösartigen Unsinn von sich. Und doch: Er ist immerhin Klubchef einer Parlamentspartei, und da dreht man ihm die im Hohen Haus gehaltene Rede so einfach ab? Die Rede war auf dem FPÖ-Kanal auf Youtube erschienen.

    Youtube, ein Megakonzern (und Tochter des Gigakonzerns Google), darf entscheiden, was von einem gewählten Volksvertreter eine breitere Öffentlichkeit erreicht oder nicht? Und ausgerechnet Youtube, dessen Geschäftsmodell – wie bei allen anderen "Big Tech"-Konzernen und -Plattformen (Twitter, Facebook) – es auch ist, eine "Erregungsmaschine" zu sein? Die Algorithmen von Big Tech sind darauf angelegt, die Emotionen anzustacheln und so die User möglichst lange bei sich zu behalten.

    Die Problematik wird gerade heiß diskutiert, denn in einer gewaltigen Kehrtwendung haben Twitter, Facebook und Youtube gerade den auslaufenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, gesperrt. Dies, obwohl er 88 Millionen Follower auf Twitter und 35 Millionen auf Facebook hatte – und sie ihm jahrelang, schon vor seiner Präsidentschaft, alles durchgehen ließen. Motiviert war der Entschluss übrigens auch durch eine Revolte der eigenen Mitarbeiter.

    Youtube begründete seine Entscheidung, Kickl rauszukicken, übrigens mit einem Verstoß gegen die eigene "Richtlinie zu medizinischen Fehlinformationen über Covid-19". Diese Richtlinien untersagen die Verbreitung von Falschinformationen über Behandlung, Prävention, Diagnose und Übertragung von Covid-19.

    "Lockdown-Fetischismus"

    Kickl hat zweifellos polemischen Unsinn, gepaart mit Unwahrheiten, in seiner Rede (und nicht nur dort) in die Welt geschleudert. Er sprach von "Impfzwang im Klassenzimmer", "Lockdown-Fetischismus", "Unfreiheit und Totalitarismus". Dinge, die tausendfach und noch viel ärger von anderen "Querdenkern" verbreitet werden. Es ist nicht sicher, ob er dafür vor einem Gericht verurteilt würde (wegen Hetze oder Verleumdung). Die österreichische Judikatur erlaubt auch harte "kritische Werturteile", solange sie durch ein hinreichendes Tatsachensubstrat gedeckt und in Relation zu diesem nicht exzessiv sind und sich nicht in bloß formalen Ehrenbeleidigungen erschöpfen.

    Andererseits: Zu viel ist zu viel. Zu diesem Schluss sind auch die Big-Tech-Konzerne gekommen, nachdem sie Trump gezählte 20.000 Lügen und ungezählte Beleidigungen in vier Präsidentenjahren hatten durchgehen lassen. Auslöser war laut Twitter die Gefahr, dass er neuerlich zu Gewalt aufrufen könnte, wie beim Sturm aufs Kapitol.

    Doch es bleibt das Unbehagen in Bezug auf die Willkür von Big Tech, die einmal so und dann wieder so ausfallen kann (ganz abgesehen davon, dass nun die ebenfalls gesperrten rechten Plattformen in den Untergrund wandern). Auf den Punkt gebracht hat es Angela Merkel, die zur Twitter-Sperre von Trump bemerkenswerterweise sagt, die Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut und Eingriffe könne es nur auf der Basis von Gesetzen geben, nicht auf Beschluss von Netzwerkbetreibern.

    "Auf der Basis von Gesetzen". Das bedeutet wohl eine Riesenarbeit, die Macht von Big Tech in einer Regulierung einzufangen. Schreibt DER STANDARD.

    Eine selten dämliche Frage von Hans Rauscher. Natürlich darf Big Tech abschalten, was immer Big Tech abschalten will. Warum? Weil sie es können und weil sie bei allen Regierungen worldwide live Narren- und Steuerfreiheit geniessen.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 16.1.2021 - Tag der Blick-Leser*innen

    Sogar im Bordell herrscht Föderalismus: Puff um Puffs

    Laut dem Bund können die Bordelle in der Schweiz offen bleiben. Die Nachricht hat sich in Europa wie ein Lauffeuer verbreitet. Zahlreiche Sexarbeiterinnen wollen bei uns ihre Dienste anbieten – beispielsweise in Zürich. Doch hier sind die Bordelle geschlossen.

    «In der Schweiz sind die Erotikstudios weiterhin offen.» So ähnlich lautete auch die Schlagzeile, die auf Blick.ch zu lesen war. Doch manche Kantone gehen beim Lockdown auch bei den Studios weiter als der Bund.

    «Ich bedaure sehr, dass Zürich und andere Kantone die Erotikstudios geschlossen haben – und wir nun auch hier unter einem föderalistischen Flickenteppich leiden», sagt Beatrice Bänninger, Geschäftsführerin der Zürcher Stadtmission.

    Denn: «Das Telefon unserer Beratungsstelle läuft Sturm, seit Blick.ch titelte, dass Erotikstudios offenbleiben dürfen.» Selbst aus dem Ausland habe man zahlreiche Anrufe erhalten, ob das stimme, dass Sexarbeiterinnen bei uns noch ihre Dienstleistungen anbieten dürfen. Doch allen musste man sagen, dass im Kanton Zürich die Bordelle geschlossen bleiben.

    «Prostitution findet so oder so statt»

    Für Bänninger macht die Schliessung keinen Sinn. Das hätte man schon beim ersten Lockdown im Frühling gesehen. «Die Prostitution findet so oder so statt. Es gibt dann einfach extrem viele Kontrollen und horrende Bussen.» Sie ist überzeugt, der Bund habe «weise gehandelt hat», als er die Erotikstudios offen liess.

    Untersage man die Ausübung von Prostitution, wanderten die Sexarbeiterinnen in die Illegalität ab. Schliesslich müssten sie ja irgendwie überleben. Bänninger: «Mit einem Verbot lässt sich die Prostitution aber nicht mehr kontrollieren und die Gesundheitsprävention kann nicht mehr funktionieren.»

    Puffs sind kein Treiber der Pandemie

    Doch gerade aus gesundheitlichen Gründen sieht die Geschäftsführerin der Stadtmission keine Veranlassung, weshalb in Zürich offiziell tote Hose herrschen soll: «Auf den ersten Blick mag man vermuten, dass es wegen der Pandemie keinen Sinn macht, die Prostitution zu erlauben.» Abstand halten sei hier ja schwierig. «Die Prostitution ist aber kein Treiber der Pandemie, sagen die Experten, da Corona via die Atemwege übertragen wird», betont sie.

    Für die Bordelle gibt es Schutzkonzepte, so wie andernorts auch. Nach jedem Freier muss die Bettwäsche ausgewechselt werden, es gilt eine Maskentragepflicht, und die Kunden müssen sich registrieren.

    Bänninger nennt aber noch einen weiteren Grund, weshalb die Schliessungen für sie in Zürich keinen Sinn machen: «In der Stadt Zürich haben wir 138 Sexbetriebe und im restlichen Kanton nochmals etwa 140 Erotikunternehmen. Diese fallen kaum ins Gewicht im Vergleich zu den vielleicht 3000 Gastrobetrieben oder so, die es vermutlich in unserem Kanton gibt.»

    50 Prozent mehr Sexarbeiterinnen in Bern

    Sie bemängelt weiter, «wir haben keinen Überblick darüber, was für eine Sexdienstleistung in welchem Kanton, zu welcher Uhrzeit erlaubt ist und welche nicht.» Man wisse in Zürich nur: «Bei uns ist alles verboten.» In anderen Kantonen müssten die Bordelle abends schliessen. «Ich weiss nicht, wer hier noch den Überblick hat.»

    Neben Zürich haben beispielsweise auch Aargau, Genf, Luzern, Solothurn und Thurgau Verbote erlassen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die anderen Kantone, die keine Schliessungen verordnet haben.

    So sagt Alexander Ott, Vorsteher der Fremdenpolizei der Stadt Bern: «Wir verzeichnen seit Montag alleine in der Stadt eine Zunahme der Personen im Sexgewerbe von rund 80 auf etwa 120 Personen.» Das sei sicher Prostitutionsverboten in anderen Kantonen geschuldet. Die Auswirkungen für Kantone wie Bern sind klar: «Damit wächst der Druck auf die Arbeitstätigen im Rotlichtmilieu enorm.»

    Geschäftlicher oder privater Beischlaf?

    In Kantonen wie Bern, die für die Erotikbranche keine schärferen Massnahmen haben als die vom Bund getroffenen, gilt, dass die Studios zwar ab 19 Uhr über Nacht bis um 6 Uhr morgens geschlossen sein müssen.

    Dabei gibt Ott zu bedenken: «Sie können nicht das ganze Leben regeln.» Wie beispielsweise wolle man beweisen, dass es sich bei einer Escortdame, die bei jemandem nächtigt, um die Ausübung einer sexuellen Dienstleistung handelt? «Vielleicht hat sie auch nur einen Bekannten besucht und ist halt über Nacht geblieben.» Schreibt Blick.

    Dieser Artikel landete heute (Stand 08.52 Uhr) als Hauptaufmacher der täglichen Corona-Horrormeldungen auf der Frontseite von Blick online. Das sagt uns wenig über die Pandemie aus, dafür aber umso mehr über die Leser*innen des grössten Schweizer Medien-Online-Portals.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 15.1.2021 - Tag der Organisationen, die es eigentlich gar nicht geben dürfte

    Initiative will Europas Wirtschaft komplett runterfahren – bis null Neuinfektionen

    Mit dem Aufruf „#ZeroCovid“ ist in den sozialen Netzwerken eine Initiative angelaufen, die einen umfassenden Lockdown fordert. Europaweit solle die Wirtschaft heruntergefahren werden. Die Kosten sollen mit Abgaben auf hohe Einkommen und Vermögen gestemmt werden.

    Eine Initiative von Wissenschaftlern, Aktivisten und Gesundheitspersonal fordert angesichts der Corona-Krise ein europaweites Herunterfahren auch für die Wirtschaft. „Shutdown heißt: Wir schränken unsere direkten Kontakte auf ein Minimum ein – und zwar auch am Arbeitsplatz!“, heißt es in dem Aufruf der Initiative „#ZeroCovid“.

    „Wie viele andere Menschen auch wollen wir nicht länger diesen ewigen Lockdown light oder dieses ständige Hin und Her zwischen Verschärfungen und Lockerungen mittragen“, sagte Sprecher Oliver Kube am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Daher sei ein solidarischer „Shutdown aller nicht lebenswichtiger Bereiche, insbesondere der Wirtschaft“ nötig.

    Dabei sei es ihnen besonders wichtig, dass die Schwächeren und Schwächsten nicht auf der Strecke blieben, sagte Kube. Um das zu gewährleisten, fordert die Initiative europaweite Covid-Solidaritätsabgaben auf hohe Vermögen oder Unternehmensgewinne. Etwaige Lohnausfälle sollen durch ein breit aufgestelltes soziales Rettungspaket aufgefangen werden.

    „Die Initiative hält die bisherigen Versuche, die Pandemie zu kontrollieren, für gescheitert“, hieß es in dem Aufruf. Die Maßnahmen schränkten das Leben dauerhaft ein und hätten dennoch Millionen Infektionen und Zehntausende Tote gebracht. Durch Mutationen breite sich das Virus nun noch schneller aus. Die Infektionszahlen auf null zu drücken sei Voraussetzung, um die Krise bewältigen zu können. „Crush the Curve statt Flatten the Curve“ (Deutsch: Die Kurve brechen statt abflachen), forderte die Initiative.

    Zu den Erstunterzeichnern gehören nach Angaben der Initiative etwa die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die Autorinnen Margarete Stokowski und Teresa Bücker sowie der Sea-Watch-Aktivist Ruben Neugebauer. Auch viele Wissenschaftler und Angestellte aus dem Gesundheitsbereich hätten demnach unterschrieben.

    Margarete Stokowski schrieb auf Instagram, sie wünsche sich, dass der Aufruf „einfach zack sofort umgesetzt wird“. Auch Luisa Neubauer rief auf Twitter dazu auf, unter dem Hashtag #ZeroCovid zu diskutieren.

    Die Kritik, ein solidarischer und umfangreicher Shutdown sei in Deutschland nicht möglich, hält der Sprecher für unberechtigt. „Wenn es mehrere andere Staaten gibt, die das bereits erfolgreich getan haben, dann ist das keine Frage der prinzipiellen Machbarkeit, sondern der machtpolitischen Durchsetzung.“

    In Australien und Neuseeland ist das Vorhaben „Zero Covid“ auf Erfolg gestoßen, Wissenschaftler machen dafür eine harte Shutdown-Strategie verantwortlich. Schreibt DIE WELT.

    Ich werde das etwas mulmige Gefühl nicht los, dass das Corona-Virus Hirnzellen zerstört, ohne dass man/frau/es damit infiziert sein muss. Immer vorausgesetzt, dass bei denen, die ich meine, überhaupt Hirnzellen vorhanden sind.

    Bei der vergnüglichen Party dabei: Sea-Watch-Aktivist Ruben Neugebauer. Sea-Watch? Ist das nicht die Organisation, die das lukrative Geschäft der Schlepper mit Flüchtlingen beflügelt?

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 14.1.2021 - Tag der Polit-Eliten

    Italiens Regierungskrise: Absurd und surreal

    Die politische "Elite" Italiens hat in diesen Tagen wieder einmal ihre bekannten Mängel und Grenzen offenbart.

    Mitten in der Covid-Pandemie, mitten im schlimmsten Gesundheitsnotstand seit dem Bestehen der italienischen Republik eine Regierungskrise anzuzetteln: Was am Mittwoch in Rom passierte, wirkt nur noch absurd und surreal. Die meisten Italiener haben derzeit andere Probleme: Millionen von ihnen droht der Abstieg in die Armut, zehntausende von Betrieben stehen vor dem Aus. Und etliche EU-Partner dürften sich allmählich fragen, ob es denn tatsächlich sinnvoll sei, Italien Wiederaufbauhilfen im Umfang von sagenhaften 209 Milliarden Euro zu gewähren.

    Die politische "Elite" Italiens hat in diesen Tagen wieder einmal ihre bekannten Mängel und Grenzen offenbart: chronische Realitätsferne, Selbstbezogenheit, weitgehend fehlender Sinn für das Gemeinwohl, in Kombination mit einem offenbar unbezwingbaren Hang zur Personalisierung und zum Melodrama. Beim Showdown zwischen dem früheren und dem aktuellen Premier, zwischen Matteo Renzi und Giuseppe Conte, ging es zwar vordergründig auch um Inhalte – aber letztlich hat es sich von Beginn weg um einen Hahnenkampf zwischen zwei eitlen Leadern gehandelt, die sich selber für unersetzlich halten.

    Allerdings: Es wäre verkürzt, den Bruch allein auf die persönlichen Eitelkeiten und Animositäten zwischen Renzi und Conte zurückzuführen. Die politische Krise in Rom ist letztlich auch die Folge der Zerstrittenheit und der ideologischen Gegensätze innerhalb der Koalition aus Fünf-Sterne-Protestbewegung und ihren drei linken Juniorpartnern PD, IV und Leu. Die Regierung war im September 2019 nur aus der Taufe gehoben worden, um die von Lega-Chef Matteo Salvini angestrebten Neuwahlen und dessen Marsch an die Spitze der Regierung zu verhindern. Ein gemeinsames Projekt, eine gemeinsame Vision für Italien haben die Koalitionspartner nie entwickelt.

    So gesehen könnte die irrwitzig anmutende politische Krise – sofern sich Renzis gestriger Austritt aus der Regierung am Ende nicht als Sturm im Wasserglas herausstellen wird – sogar noch zur Chance für Italien werden: Dann nämlich, wenn sich unter der Regie von Staatspräsident Sergio Mattarella die Parteien ihrer Verantwortung für das Land bewusst würden und Hand böten zu einer Regierung der nationalen Einheit, möglicherweise unter der Führung eines anerkannten Experten wie Ex-EZB-Chef Mario Draghi. Die Herausforderungen, die in den kommenden Wochen und Monaten auf das Land warten, wären groß genug. Schreibt DER STANDARD.

    Dass Renzi gerne die Karte «maximales Risiko» spielt, ist längst bekannt. Als typischer Vertreter der jüngeren Politikergeneration versteckt er seine persönlichen Ziele stets mit den gleichen salbungsvollen Worten hinter angeblich hehren Absichten fürs «Volk».

    Dass er selbst während einer weltweiten Krise, die auch Italien hart trifft, seine persönlichen Befindlichkeiten vor diejenigen des von ihm stets zitierten «Volkes» stellt, sagt alles über den Charakter dieses Politikers der typischen Polit-Elite aus.

    Und da wundert sich noch jemand, dass Populisten und irrlichternde Verschwörungstheorien in gestandenen Demokratien Zulauf erhalten wie nie zuvor?

    Trump & Konsorten fallen nicht einfach so vom Himmel. Dafür gibt es Gründe. Der Typus «Renzi» ist einer davon.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 13.1.2020 - Tag der ungelösten Probleme

    KIFFER-HAUPTSTADT BERLIN: «Manche konsumieren sieben Gramm Cannabis am Tag»

    Nirgendwo in Deutschland ist das Einstiegsalter für den Cannabis-Konsum niedriger als in Berlin. Während Rot-Rot-Grün in der Hauptstadt über eine Legalisierung diskutiert, warnen Suchtexperten vor einer Verharmlosung – und den Folgen für die Gehirnentwicklung.

    Ein Park im bürgerlichen Berlin-Zehlendorf. Zwei Bänke. Ein paar lachende Jugendliche. Und der untrügliche Geruch von Cannabis, der seit dem Lockdown durch die Grünanlagen der Hauptstadt wabert, als gehöre er so selbstverständlich dazu wie der Geruch von moderndem Rasenschnitt und Hundehaufen.

    Statistiken, die den Eindruck mit Zahlen bestätigen würden, dass in Corona-Zeiten mehr gekifft werde, gibt es noch nicht. Psychologen wissen allerdings, dass der allgemeine Ausnahmezustand – das Pausieren von Sportvereinen, die Schwierigkeit, Freunde zu treffen, das enge Zusammenleben in der Familie – Spannungen erhöht und somit das Risiko, sich mit Drogen Entspannung zu suchen.

    Eines aber macht der Lockdown ganz sicher: Er verlagert nach außen, was sonst in Bars, Clubs und Kinderzimmern geschieht – und Suchtexperten schon seit Längerem Sorgen bereitet.

    Eine Tonne Cannabis im Jahr - im Auftrag der BRD

    Während dem aktuellen Drogenbericht zufolge Jugendliche so wenig rauchen und Alkohol trinken wie nie, nimmt der Cannabiskonsum deutlich zu und beginnt immer früher. Waren es 2011 noch 4,6 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen, die bei einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung angaben, Cannabis zu rauchen, sind es mittlerweile 10,4 Prozent dieser Altersgruppe.

    Kiffer-Hauptstadt Berlin

    Am alarmierendsten aber sind die Berliner Zahlen. Die Fachstelle für Suchtprävention, die mit Unterstützung der Senatsgesundheitsverwaltung Maßnahmen entwickelt und koordiniert, hat 2019 im Rahmen von Aufklärungsseminaren an Schulen 1725 Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren anonym befragt.

    Demnach hatte gut ein Drittel Cannabis-Erfahrungen. 21 Prozent der Befragten war beim ersten Joint jünger als 14. Im Schnitt sind Jugendliche in der Hauptstadt 14,6 Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal konsumieren und damit 1,8 Jahre jünger als der Bundesdurchschnitt. 27 Prozent der Konsumenten gaben an, mehrmals in der Woche zu kiffen, häufig auch schon morgens vor Schulbeginn.

    „Das wirkt manchmal schon wie ein Stück Normalität“, sagt Christina Schadt aus dem Leitungsteam der Fachstelle für Suchtprävention. „Wir haben Handlungsbedarf.“

    Die Experten sehen ihre Aufgabe in der Förderung von sogenannter Risikokompetenz. „Alle Kinder lernen, über die Straße zu gehen, weil das wichtig im Alltag ist. So sollten sie auch lernen, mit dem Risiko Sucht umzugehen.“ Dafür sei es wichtig, Achtsamkeit für die eigenen Bedürfnisse zu entwickeln, zu lernen: Ich kann auch Nein sagen.

    Dass das in Berlin besonders wichtig ist, hat nicht zuletzt mit der großen Partyszene zu tun. Eine 2018 im Auftrag des Senats durchgeführte Umfrage unter Clubbesuchern ergab, dass für mehr als die Hälfte der Befragten Drogen zum Feiern einfach dazugehörten.

    Für Burkard Dregger, innenpolitischer Sprecher und Fraktionschef der Berliner CDU, ist es kein Zufall, dass die Hauptstadt für Dealer und Konsumenten so attraktiv ist. Dregger verweist darauf, dass Berlin als einziges Bundesland 15 Gramm Cannabis als Eigenbedarf toleriert. Die Staatsanwaltschaft muss nicht, kann aber bei dieser Menge das Verfahren wegen Drogenbesitzes einstellen. In den meisten Bundesländern liegt die Eigenbedarfsgrenze bei fünf bis sechs Gramm.

    15 Gramm, so Dregger, seien aber kein Eigenbedarf, sondern eine Monatsration beziehungsweise eine Menge, mit der sich das Dealen lohne. „Das organisierte Verbrechen freut sich über diese Beihilfe der rot-rot-grünen Koalition“, so Dregger.

    „Drogendealer aus ganz Europa haben ihren Weg nach Berlin gefunden.“ Damit die Stadt nicht länger Magnet für Drogenhändler sei, müsse die Eigenbedarfsgrenze auf unter sechs Gramm herabgesetzt und mit harten Restriktionen durchgesetzt werden.

    Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) beobachtet die wachsende Zahl jugendlicher Drogenkonsumenten mit großer Sorge. Eine erhöhte Polizeipräsenz an den Drogen-Hotspots sei allerdings kein Allheilmittel, sondern führe zur Verdrängung. „Wir sehen, dass die Dealer mobil sind, per U-Bahn oder Fahrrad Stoff zu den Leuten bringen“, sagt Benjamin Jendro, GdP-Pressesprecher.

    Weil weder Verbote noch Strafverfolgung den Cannabiskonsum einschränken, werden immer wieder Forderungen von Grünen, Linken und SPD nach einer Legalisierung für Erwachsene laut. Das Vorhaben des Berliner Senats, wissenschaftlich ermitteln zu lassen, ob eine staatlich kontrollierte Abgabe das Konsumverhalten risikoärmer mache, scheiterte allerdings am zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, das die Genehmigung verweigerte.

    „Eltern müssen richtig Rabatz machen“

    Während Politiker über das Für und Wider einer Entkriminalisierung debattieren, kiffen Berlins Jugendliche fröhlich weiter. Und zwar in allen Bezirken und Milieus. Gerade in den bürgerlichen. „Drogenkonsum kann auch ein Symptom von Luxusverwahrlosung sein“, sagt Ottmar Hummel, Leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie in den DRK-Kliniken Berlin Westend. Viele Eltern, die wenig Zeit haben, weil sie viel arbeiten, beruhigten mit einer materiellen Überversorgung ihr Gewissen.

    In einem solchen Lebensstil aber komme der Begriff des Aufschiebens von Bedürfnissen gar nicht mehr vor, so Hummel. Dabei sei es genau das, was einem Menschen Glück bringe: Sich selbst anstrengen, um etwas zu erreichen. Luxusverwahrlosung entwöhne den Menschen, seine Ziele selbst zu verfolgen, und nehme ihm so das normale Glückskonzept. „Die Versuchung, zur Pille zu greifen, die ein schönes Leben verspricht, liegt da relativ nahe.“

    Ein Problem seien auch Eltern, die Drogenprobleme herunterspielen, weil sie in ihrer Jugend selber gekifft haben und sich jetzt sagen, dass aus ihnen ja auch was geworden sei. Aber Drogenkonsum in den 80er- und 90er-Jahren lasse sich nicht mit der heutigen Situation vergleichen.

    „Früher“, so Hummel, „ging ein Joint in einer Gruppe von 20 Leuten herum, und alle waren selig. Heute habe ich Patienten, die konsumieren sieben Gramm Cannabis am Tag und zwar allein. Zudem sind die Sorten, die jetzt auf dem Markt sind, viel höher dosiert.“ Der Gehalt an der psychoaktiven Substanz THC in Cannabis hat sich seit 2006 verdoppelt.

    Ottmar Hummel behandelt bei Kindern und Jugendlichen die Folgen für die Entwicklung des Gehirns. Und die können fatal sein. „Wer als Jugendlicher anfängt, regelmäßig Cannabis zu konsumieren, läuft Risiko, mit 20 irgendwo stehen geblieben zu sein. Diese jungen Erwachsenen sind oft sehr infantil, larmoyant, selbstmitleidig, verlangen von anderen, dass sie sie versorgen, wollen selber nichts machen.“

    Drogen, so Hummel, verändern den Menschen, machen weniger ängstlich und nehmen der Frage nach der Zukunft die Bedeutung. Jugendliche aber müssten lernen, aus eigenem Antrieb ihr Leben zu gestalten. Diese Fähigkeit werde durch Suchtstoffe gehemmt.

    Wenn Eltern feststellen, dass ihr Kind Drogen nimmt, und nach einem Ausweg suchen, müssten sie schnell reagieren, erklärt Hummel. „Eltern müssen richtig Rabatz machen: Regeln klar setzen, Taschengeld entziehen. Und dann auch wirklich das Problem verstehen, das dahintersteckt. Aber nicht nach dem Motto: Du armes Kind musst wegen Problemen Drogen nehmen.“

    Tatsächlich aber würden die Eltern oft als Erstes lesen, dass Probleme der Grund für den Konsum seien, und daraus schlussfolgern: Ich suche mir einen Psychotherapeuten, und der löst das Problem.

    Aber dass mit einer wöchentlichen Sitzung der Jugendlichen dazu gebracht werde, nicht mehr zu konsumieren, sei ziemlich unwahrscheinlich. „Man verliert also oft Zeit. Aber das ist das Problem.“ Empfehlenswert sei, gezielt zu einer Drogenberatungsstelle zu gehen, um mit möglichst vielen Verbündeten und auch anderen Eltern zu versuchen, schnell etwas zu verändern.

    Denn Cannabis erhöhe die Häufigkeit von Krankheiten wie Psychosen. So wie bei dem 18-Jährigen, der zu Hummels Patienten gehört. Er litt unter Verfolgungswahn, redete wirr, konnte nicht mehr schlafen. Seine Eltern bekamen schließlich heraus, dass er Cannabis konsumiert. Nach einer Therapie konnte er wieder in die Schule gehen.

    „Aber er ist rückfällig geworden, konsumiert jetzt auch Amphetamine“, sagt Hummel. „Er ist aggressiv, schlaflos, die Eltern, die sich seit Jahren um ihn bemühen, können ihn zu nichts mehr bewegen.“ Schreibt DIE WELT.

    An der Luzerner Kanti sollen es inzwischen bereits zehn Joints sein, die manche unserer zukünftigen Elite pro Tag während der Schulzeit konsumieren. Flüsterte mir kürzlich eine Kantischülerin (im Beisein ihrer Mutter, einer habilitierten Lehrerin mit Doktortitel, wohlverstanden!) ins Ohr, die sich (noch) mit einem Joint begnügt.

    Und diese Cannabis-Orgien finden bei einem 10 mal höheren THC-Gehalt (in Luzern nicht selten bis 20 mal höher) als noch vor 20 Jahren statt. Wahre A-Bomben also! Das würde reichen, um einen Beduinen vom Kamel zu hauen.

    Was das mit den Oberstübchen junger Menschen langfristig anstellt, weiss niemand so genau, weil es bis jetzt keine Langzeitstudien gibt. Und die mehr oder weniger unbehelligte Luzerner Balkan-Mafia, die den Innerschweizer Drogenhandel kontrolliert, interessiert sich logischerweise nur für den Cash Flow und nicht für Gesundheitsstudien.

    Dafür gibt es inzwischen Eltern, die solche Missstände an Luzerner Eliteschulen nicht länger verharmlosen ("Esch jo nor äs Tschointli") und sich prophylaktisch weigern, ihre Kinder an der Luzerner Kanti unterrichten zu lassen. Das flüsterte mir kürzlich die Innerschweizer Mutter (ohne Doktortitel, dafür mit einem gesunden Menschenverstand) eines 16-jährigen Sohnes – immerhin Klassenprimus – ins Ohr und liess ihrem Flüstern Taten folgen. Der Jüngling macht jetzt eine Berufslehre und wird, sofern er dann noch will, später eine Berufsmatura absolvieren. Aber definitiv nicht in Luzern. Ist wohl auch besser so.

    Der Artikel von SRF («Schüler-Drogenring ausgehoben – Betroffener Teenager: "Wir haben uns richtig abgeschossen"») scheint einen mittleren Schock ausgelöst zu haben. Vielleicht, weil dieser SRF-«Schocker» auch sehr viel über die versniffte Luzerner Gesellschaft aussagt? Möglicherweise über das Versagen der Eltern, die anscheinend nicht bemerken (wollen), dass da mit ihren zugedröhnten Goldschätzchen etwas verdammt falsch läuft?

    Liebe Berlinerinnen und Berliner, alles halb so wild. Ihr seid mit Euren mickrigen 7 Grämmchen noch meilenweit von Luzerner Verhältnissen in Sachen Drogen an Euren Schulen entfernt. Und das will bei einer "linken" Regierung (SPD, Grüne, Die Linke) was heissen!

    In Luzern kann man seit drei Monaten nach dem ersten Lockdown gratis illegale Drogen testen lassen, damit unsere Goldschätzchen nicht gerösteten Himbeerstaub statt reines Crystal Meth in die Nase pudern. Ja, soweit sind wir inzwischen in Luzern! Trotz Lockdown im Nachtleben (Oh heilige Maria Mutter Gottes! «Princesse - The Club» mit dem netten Türsteher aus dem Balkan, der immer weiss, wo's was zu Naschen gibt und seinen jungen Instagram-Followern*innen Küsschen und süsse Herzchen schickt, ist ja geschlossen) soll das neue Angebot bereits öfter ausgebucht sein – und es gab bereits erste Warnungen.

    https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/luzern/reportage-reines-kokain-aus-kolumbien-im-neuen-luzerner-drug-checking-erleben-manche-partygaenger-ihr-blaues-wunder-ld.2073586?reduced=true&fbclid=IwAR1TFCNTKnnuCYrHmGOAraIVHHpIOlZckRVWPMDXFpgTRERCfDDyLPCstZM

    Nein, ich übertreibe nicht masslos. Es waren tatsächlich 50 Kanti-Schüler*innen.

    https://www.srf.ch/news/regional/zentralschweiz/schueler-drogenring-ausgehoben-betroffener-teenager-wir-haben-uns-richtig-abgeschossen?fbclid=IwAR2-Cb2CBnooQsdO9iU-_WYnBIpB-FDf__LwGCquxrIr1rZvbkhWnO59AQs

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 12.1.2020 - Tag der «Menschenrechte» für Drogen

    Stadt Luzern: Zwei Asylbewerber (Libyen und Algerien) wegen Taschendiebstahl beim Inseliquai festgenommen

    Die Luzerner Polizei hat am Samstagabend zwei Asylbewerber festgenommen. Die beiden Männer haben zuvor in der Stadt Luzern zwei Frauen die Handtaschen entwendet.

    Am späten Samstagabend (9. Januar 2021), kurz vor Mitternacht, haben die Männer zwei Frauen beim Inseliquai die Handtaschen entwendet. Danach wurden die Opfer von den Männern geschlagen. Die Luzerner Polizei konnte die beiden mutmasslichen Täter Dank guten Signalementsangaben festnehmen. Die beiden Männer sind 26 und 29 Jahre alt und stammen aus Libyen und Algerien und wohnen im Kanton Nidwalden. Nach der Festnahme haben sich die beiden Männer unkooperativ verhalten. Einer der Männer hat die Polizei mit Füssen getreten.

    Die Untersuchungen führt die Staatsanwaltschaft Luzern.

    Quelle: Luzerner Polizei

    Wie die Lebensqualität in der Stadt Luzern unaufhaltsam zerfällt

    Es geschah im Sommer 2020, als ein Asylbewerber aus Algerien am helllichten Tag auf dem Luzerner «Inseli» einer alten Frau die Handtatsche entriss und trotz einer Hundertschar von Zuschauern*innen auf die «Aufschütti» fliehen konnte, wo ihn die Luzerner Polizei dank Signalementsangaben verhaftete. Nun passierte es wieder um Mitternacht, diesmal beim Inseliquai. Einige werden sich nun fragen, was haben denn die zwei Frauen um Mitternacht in dieser Problemzone der Stadt Luzern zu suchen?

    Die Frage ist unangebracht. Möglicherweise hatten die beiden Opfer dort ihr Fahrzeug parkiert. Es sollte uns nicht interessieren, aus welchen Gründen jemand auf dem Inseliquai um Mitternacht unterwegs ist. Problemzone hin oder her. NO GO-Areas dürften überhaupt nicht existieren!

    Viel wichtiger ist die traurige Feststellung, dass in der Stadt Luzern die Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger längst nicht mehr gewährleistet ist. Und dies nicht nur rund um die Drogen-Hotspots und NO GO-Areas.

    Dass sich der Europaplatz, das Inseli und die Aufschütti überhaupt zu Eldorados für Drogensüchtige und Drogendealer und zur eigentlichen Heimstatt von Asylanten der Zentralschweiz (und weit darüber hinaus) entwickeln konnte, hat Gründe. Laissez-faire ist einer davon. Blindheit unserer Behörden auf einem Auge und falsche Toleranz gegenüber Drogen ein anderer.

    Wir sind sehr schnell bereit, für diese Misere, die langsam aber unaufhaltsam die Lebensqualität in der Stadt Luzern nicht nur beeinträchtigt, sondern langfristig sogar zerstört, die Polizei verantwortlich zu machen.

    Falsch! Die Luzerner Polizei macht einen guten Job. Doch leider erhält sie von der Luzerner Politik kaum Unterstützung. Luzerner Polizisten und Polizistinnen müssen sich vorwiegend mit Kleinkram wie Park- und Verkehrsbussen herumschlagen, statt sich um die eigentlichen Probleme zu kümmern, fordert doch der Kanton Luzern von seiner Polizei die im Jahres-Budget zum voraus festgelegten Einnahmen aus dem Luzerner Bussenkatalog. Ein Budget, das beinahe 30 (in Worten: dreissig) Millionen beträgt. Wehe, die Budgetzahlen werden nicht erreicht!

    Wundert sich da noch jemand, dass sich die Stadt Luzern hinter Zürich in derart kurzer Zeit zum Drogen-Hotspot Nummer zwei der Schweiz entwickelte? In Lucerne-City scheint ja inzwischen sowohl Drogenkonsum wie auch Drogenhandel ein «Menschenrecht» zu sein. Das wird jedenfalls der Polizei bei Kontrollen von Verdächtigen stets unter die Nase gerieben.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 11.1.2020 - Tag des Städtebaus

    Asylwesen sparte 160 Mio dank Corona – doch Migrationschef Gattiker (64) warnt: «Gehen von deutlicher Zunahme der Asylzahlen aus»

    Der höchste Schweizer Asylchef, Mario Gattiker (64), kann aufatmen. Die Asylzentren kamen 2020 recht gut durch die Pandemie. Doch Corona dürfte auf die Migration nach Europa für die Zukunft noch weitreichende Auswirkungen haben, sagt der Staatssekretär am Telefon.

    BLICK: Herr Gattiker, die Schweiz verzeichnet für 2020 vielleicht 11’000 Asylgesuche. Das sind so wenige wie seit 2007 nicht mehr. Sind Sie überrascht?

    Mario Gattiker: Wir verbuchten 11’033 Asylgesuche. Anfang Jahr waren wir von 15’000 bis 16’000 Gesuchen ausgegangen. Die Abweichung führen wir auf die Corona-Pandemie zurück. Dadurch haben wir im Asylbereich gegenüber dem Budget 2020 ungefähr 160 Millionen Franken eingespart. Wir gehen davon aus, dass Corona auch weiterhin ein Faktor bei der Asylmigration bleibt.

    Sie werden also auch nächstes dieses Jahr tiefe Kosten haben?

    Vermutlich schon noch, eine klare Aussage ist schwierig. Derzeit erarbeiten unsere Fachleute die neuste Prognose. Bis diese steht, gehe ich persönlich von Zahlen aus, wie wir sie 2019 hatten. Also von wieder etwa 15’000 Gesuchen. Danach allerdings dürfte sich die Lage verändern.

    Und wie?

    Wegen des coronabedingten wirtschaftlichen Abschwungs in vielen Regionen und wegen daraus resultierender innenpolitischer Spannungen dürfte es zu vermehrter Abwanderung kommen. Mittelfristig müssen wir also von einer deutlichen Zunahme der Asylzahlen in ganz Europa ausgehen. Und damit auch von steigenden Kosten. Ich rede hier von den Jahren 2022 bis 2025.

    Sie glauben also an eine Asylwelle wegen Corona?

    Wir müssen mit klar höheren Zahlen rechnen, ja. Das Staatssekretariat für Migration steht mit dieser Einschätzung nicht alleine. Zahlreiche internationale, im Migrationsbereich tätige Organisationen erwarten eine solche Zunahme nach dem Ende der Pandemie. Wie gross diese ausfallen wird, ist heute schwierig einzuschätzen. Wir müssen das aber im Auge behalten und uns darauf gut vorbereiten. Dazu gehört auch die konsequente Fortführung unserer Politik, die auf beschleunigten Asylverfahren basiert und dafür sorgt, dass wir weiterhin kein bevorzugtes Zielland sind für Menschen ohne echte Asylgründe.

    Sie hätten doch Zeit.

    Dank guter Unterstützung durch Kantone und Gemeinden konnten wir 2020 fünf zusätzliche Asylunterkünfte eröffnen. Dafür sind wir dankbar. Diese brauchten wir trotz der tiefen Asylzahlen, um die Corona-Mindestabstände auch in den Bundesasylzentren jederzeit zu gewährleisten. Wir lasten die Zentren darum nur zu gut 50 Prozent aus. Damit wir diese Corona-Vorgaben auch künftig sicher einhalten können, suchen wir schon jetzt Unterkünfte. Wir können nicht erst Kapazitäten aufbauen, wenn die Asylsuchenden in der Schweiz sind.

    Wie viele Betten brauchen Sie?

    Derzeit verfügen wir über 2500 Plätze, dank deren wir übers Jahr 15’000 Asylgesuche bewältigen können – es gibt ja immer wieder Abgänge, sodass Betten frei sind und wieder neu besetzt werden können. Es braucht eine Reserve, falls die Migration wieder zunimmt. Das Notfallkonzept sieht je nach Szenario bis zu 8000 Unterbringungsplätze beim Bund vor. Damit können wir auch hohe Eingänge bei über 30'000 Asylgesuchen auffangen.

    Plätze werden frei, weil Sie abgewiesene Asylbewerber in die Herkunftsländer zurückschicken. Das ist zu Corona-Zeiten nicht unumstritten.

    In der ersten Welle bis im Sommer haben wir kaum jemanden in seine Heimat zurückgeführt. Aber als über die Ferienzeit die Reisebeschränkungen gefallen sind und auch wieder Flüge zur Verfügung standen, konnten wir unseren Rückführungsauftrag wieder konsequenter wahrnehmen. Das Staatssekretariat für Migration ist nicht legitimiert, einfach nach eigenem Gutdünken die Rückführungen zu stoppen. Gerade Überstellungen nach den Dublin-Regeln, wonach Asylsuchende in jenes europäische Land zurückmüssen, in dem sie zum ersten Mal europäischen Boden betreten haben, waren in den Sommermonaten wieder möglich. Inzwischen verzeichnen wir bei der Zahl der Ausreisen in aussereuropäische Länder wieder 60 Prozent des Vorjahresniveaus.

    In den Asyllagern auf Samos und Lesbos herrschen schlimme Zustände.

    Ja, Griechenland hat humanitär eine schwierige Situation. Die Bilder, die wir sehen, lügen leider nicht. Die Lösung für die Probleme liegen aber in Griechenland selber.

    Machen Sie es sich hier nicht zu einfach? Die Schweiz tut nichts und sagt, die Griechen sollen selbst schauen.

    Halt, die Schweiz unterstützt Griechenland seit Jahren, und zwar engagiert und sehr konkret. Unser Land nimmt unbegleitete minderjährige Asylsuchende ohne Eltern aus Griechenland auf, wenn sie einen Bezug zur Schweiz haben. In diesem Jahr waren das immerhin rund 90 Minderjährige. Und wir leisten humanitäre Hilfe vor Ort und unterstützen die griechischen Behörden seit Jahren mit verschiedenen Projekten, etwa im Bereich der Strukturen für Familien und Kinder. Die Schweiz hat auch die Trinkwasserversorgung für Kara Tepe aufgebaut, also fürs Nachfolgelager des abgebrannten Moria-Lagers.

    Mit der Aufnahme einiger Kinder mit Verwandten in der Schweiz helfen wir nur wenigen.

    Immerhin gehört die Schweiz zu jenen europäischen Staaten, die am meisten Minderjährige aufgenommen haben. Eine Umverteilung der Asylsuchenden in Griechenland auf andere Staaten ist jedoch keine Lösung. Die Griechen müssen die notwendigen Unterbringungsstrukturen selber zur Verfügung stellen und funktionierende Asylverfahren garantieren. Europa, und auch die Schweiz, unterstützen sie dabei. Wir haben nicht mehr die Situation wie 2015 und Anfang 2016, als über eine Million Menschen anlandeten und Griechenland dringend auf die Solidarität aller Schengenstaaten angewiesen war. Für 2020 dürfte Griechenland etwas über 15’000 Anlandungen verzeichnen, noch 2019 waren es 75’000.

    Zurück in die Schweiz. Wie viele Asylsuchende steckten sich mit Corona an?

    Wir hatten erstaunlich wenige Ansteckungen. Die Asylbetreuungsorganisationen und unsere Mitarbeitenden haben in den Bundesasylzentren hervorragende Arbeit geleistet und den Asylsuchenden die Corona-Regeln verständlich gemacht. Das war anspruchsvoll. So hatten wir nur 230 Ansteckungen und glücklicherweise keinen einzigen Todesfall. Ich verhehle nicht, dass mir Corona Anfang Jahr wegen unserer Kollektivunterkünfte sehr, sehr grosse Sorgen gemacht hat.

    Sorgen machte sich die Schweiz auch, als bekannt wurde, dass man mit China ein Migrationsabkommen geschlossen hat. Das Abkommen wurde bloss einmal angewandt. So wichtig kann es nicht sein, oder?

    Ich habe Verständnis für diese Frage. Sie bringt die Verwirrung zum Ausdruck, die die zahlreichen Falschmeldungen zu diesem Thema ausgelöst haben.

    Was ist denn falsch?

    Zuerst mal hiess es, es sei ein Geheimvertrag. Stimmt nicht, das Parlament wurde 2016 darüber in Kenntnis gesetzt, auf Anfrage haben wir den Vertrag jederzeit herausgegeben. Es hiess, wir würden damit chinesische Spionage unterstützen, was von reichlicher Naivität zeugt. Ebenso falsch ist es, dass Personen befragt würden, die bei einer Rückkehr gefährdet wären.

    Worum geht es denn bei dieser Vereinbarung?

    Kein Staat dieser Welt nimmt Personen zurück, ohne vorher nicht festgestellt zu haben, dass es sich um eigene Staatsbürger handelt. Deshalb regelt diese Vereinbarung die Zusammenarbeit mit chinesischen Migrationsbehörden zur Identifikation von Personen, die zwar mutmasslich aus China stammen, aber beispielsweise keine Ausweispapiere haben und deshalb nicht zurückgeführt werden können. Das ist im Interesse der Schweiz! Es geht ausschliesslich um Personen, bei denen in einem rechtsstaatlichen Verfahren festgestellt wurde, dass sie bei einer Rückkehr nicht gefährdet sind und daher die Schweiz zu verlassen haben.

    Es geht hier also um abgewiesene Asylbewerber.

    Nicht nur! Es geht beispielsweise auch um Schwarzarbeiter, die kein Asylgesuch gestellt haben, sich aber illegal in der Schweiz aufhalten und diese verlassen müssen. Dass wir Wegweisungen vollziehen können, gehört zu den Grundpfeilern einer glaubwürdigen Migrationspolitik.

    Aber bei China ist es ein solches Abkommen natürlich heikler als bei Deutschland oder Liechtenstein.

    Interessant ist, was mehrere hochrangige Vertreter des UNHCR dazu sagen: Sie bestätigen klipp und klar, dass solche Abkommen asylrechtlich unbedenklich und internationaler Standard sind. Es geht bei dieser Vereinbarung eben ausschliesslich um Personen, die nach einer Rückkehr nichts zu befürchten haben. Tibeter sind wie gesagt nicht betroffen, und auch sonst niemand, dem Verfolgung drohen könnte. Unsere Gesetzgebung erlaubt die Einladung ausländischer Delegationen zwecks Klärung der Identität explizit. Die Vereinbarung regelt Modalitäten und Abläufe, was für die Schweiz mehr Rechtssicherheit schafft. Wir sind aber nicht dringend auf dieses Abkommen angewiesen. Es ist ja inzwischen abgelaufen.

    Und warum wollen Sie dennoch eine Neuauflage des Abkommens?

    Nochmals: Wir sind nicht darauf angewiesen, weil die Identifikation auch ohne Vereinbarung funktioniert. Aber die Vereinbarung liegt im Interesse der Schweiz, weil sie rechtsstaatlich unbedenklich ist und die Identifikationsprozesse langfristig sichert. Was wir hier mit China vereinbart haben, ist internationaler Standard.

    Anderes Thema. Die Abstimmung zur Begrenzungs-Initiative dürfte Ihnen mehr Freude gemacht haben: 62 Prozent der Stimmenden schickten sie bachab. Wie schätzen Sie das ein?

    Es hat gezeigt, dass die Schweiz in dieser unsicheren Zeit keine Experimente eingehen will. Und dass sich unsere Bevölkerung hinter die Personenfreizügigkeit und die Migrationszusammenarbeit mit der EU stellt. Bei den Grenzschliessungen wegen Corona haben wir zum Beispiel äusserst gut mit unseren Nachbarstaaten zusammengearbeitet.

    Gab es Probleme mit London, dass die Schweiz die Personenfreizügigkeit wegen Corona vor dem 31. Dezember gekappt hat?

    Nein. London ist genauso an der Eindämmung des mutierten Virus interessiert wie Brüssel, Berlin und Bern. Zudem ging es nur um wenige Tage. Wir verhängten ja ein Einreiseverbot mit Ausnahmen für begründete Einreisen – also beispielsweise wenn ein Engländer in einem Zürcher Spital arbeitet. Ohnehin ist UK am 1. Januar 2021 als Folge des Brexits für die Schweiz zu einem Drittstaat geworden. Es gilt ein Einreiseverbot mit Ausnahmen, da das Königreich ein Corona-Risikoland ist.

    Ist mit dem Vereinigten Königreich für die Zeit nach dem Brexit alles geregelt?

    Für die etwa 40’000 Schweizer, die im Vereinigten Königreich sind, und die etwa gleich vielen Briten, die schon bei uns leben, ist alles in Zusammenhang mit Einreise und Aufenthalt geregelt. Fürs Jahr 2021 haben wir Sonderkontingente für Erwerbstätige aus UK bereitgestellt. Ob es danach separate bilaterale Regeln mit UK beispielsweise für Arbeitnehmer oder Studierende geben soll, wird noch zu verhandeln sein. Das hängt mitunter auch vom Verhältnis zwischen UK und der EU ab.

    Das Vereinigte Königreich hat ja jetzt einen Handelsvertrag mit der EU geschlossen. Dieser kennt keine fremden Richter. Beim Rahmenabkommen mit Brüssel müssten wir solche aber akzeptieren. Muss die Schweiz hier nachverhandeln?

    Hier kann ich bloss bestätigen, dass wir mit der EU im Gespräch sind, um die drei vom Bundesrat definierten Punkte zu klären: Unionsbürgerrichtlinie, Lohnschutz und die Frage der staatlichen Beihilfen. Der Bundesrat hat seine Position am 11. November beschlossen und festgelegt, weiter nicht zu kommunizieren. Daran halte ich mich.

    Aber nach dem Brexit ist die Situation eine andere: UK muss sich nicht dem Europäischen Gerichtshof unterstellen, wir aber sollen ihn akzeptieren. So sieht das Rahmenabkommen noch schlechter aus.

    Sie können es gerne noch einige Male versuchen. Ich halte mich daran, nichts dazu zu sagen. Schreibt Blick.

    11’033 Asylgesuche im Corona-Jahr 2020 tönt nach 2015 wie ein Seufzer der Erleichterung. Doch bei aller sentimentalen Verharmlosung: Das sind immerhin 2'343 Personen mehr als die Stadt Sursee an Einwohnern*innen zählt (8'690).

    Verdoppeln wir gnädiger Weise die Zahl der Asylgesuche auch unter Berücksichtigung, dass ein paar wenige davon abgelehnt werden, wegen der gesetzlich geregelten, absolut legitimen und erfahrungsgemäss zu erwartenden Familienzusammenführung muslimischer Grossfamilien* innerhalb weniger Jahre auf lediglich ca. 22'000 Personen, sind wir schon sehr nahe bei der Einwohnerzahl der Stadt Kriens (27'522).

    Die Planer-Büros für Moscheen und Immobilien-Mogule wird's freuen. Die Sozialämter vermutlich etwas weniger.

    * Die überwiegende Mehrheit der Asylgesuche 2020 stammen von Asylanten*innen aus muslimischen Ländern.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 10.1.2021 - Tag von Copy & Paste

    Österreichische Arbeitsministerin Aschbacher tritt nach Plagiatsvorwürfen zurück

    Die ÖVP-Politikerin bezeichnet die Vorwürfe rund um ihre Diplom- und Doktorarbeit als "Unterstellungen". Sie legt aber zum "Schutz meiner Familie" ihr Amt zurück. Kanzler Kurz respektiert den Entschluss und kündigt Nachbesetzung für Montag an.

    Familien- und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) ist nach einer Plagiats-Affäre zurückgetreten. In einer Aussendung beklagte die 37-jährige eine Vorverurteilung durch "die Medien und die politischen Mitstreiter". Ihren Nachfolger als Arbeitsminister will Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag vorstellen. Zuvor waren Vorwürfe laut geworden, dass Aschbacher Teile ihrer 2020 in Bratislava eingereichten Dissertation kopiert hatte, ohne die Quellen ordentlich auszuweisen. All diese Vorwürfe "sind Unterstellungen und weise ich zurück", betonte Aschbacher Samstagabend.

    "Zum Schutz meiner Familie"

    Sie habe sowohl ihre Dissertation als auch ihre ebenfalls unter Plagiatsverdacht stehende Diplomarbeit an der Fachhochschule Wiener Neustadt "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst. Leider habe man ihr ein faires Verfahren der Überprüfung aber nicht zugestanden: "Die Anfeindungen, die politische Aufgeregtheit und die Untergriffe entladen sich leider nicht nur auf mich, sondern auch auf meine Kinder, und das mit unerträglicher Wucht. Das kann ich zum Schutz meiner Familie nicht weiter zulassen. Aus diesem Grund lege ich mein Amt zurück."

    Aschbacher ist nach Grünen-Staatssekretärin Ulrike Lunacek das zweite Mitglied der türkis-grünen Regierung und die erste Ministerin, die – fast auf den Tag genau ein Jahr nach ihrer Angelobung am 7. Jänner 2020 – die Politik verlassen muss.

    Plagiatsvorwürfe

    Der als "Plagiatsjäger" bekannte Sachverständige Stefan Weber hatte Aschbacher zuvor vorgeworfen, zumindest ein Fünftel des Textes ihrer Dissertation ohne ordentliche Kennzeichnung aus anderen Quellen kopiert zu haben. Die Ministerin hatte die Arbeit im Mai des Vorjahres an der Technischen Universität Bratislava eingereicht. Auch der Diplomarbeit aus dem Jahr 2006 attestierte Weber "Plagiate, falsche Zitate und mangelnde Deutschkenntnisse". Die Fachhochschule Wiener Neustadt, wo Aschbacher von 2002 bis 2006 studiert hatte, kündigte daraufhin eine Prüfung an.

    Für ihre Dissertation unter dem Titel "Entwurf eines Führungsstils für innovative Unternehmen" hatte Aschbacher unter anderem einen Artikel des Forbes-Magazins aus dem Englischen übersetzt. Darin erklärt der Autor, er habe seine Ideen über den Führungsstil innovativer Unternehmen in seiner Arbeit mit hunderten Teams gewonnen. In ihrer Dissertation führte Aschbacher den Artikel zwar als Referenz an, erweckt aber den Eindruck, sie selbst habe für die Abschlussarbeit "mit Hunderten von Teams" zusammengearbeitet.

    Nachfolge aus der Industriellenvereinigung?

    Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) respektiert den Entschluss seiner Parteikollegin, wie er in einer ersten Reaktion erklärt. Er bedankte sich für Aschbachers Einsatz "im letzten, sehr herausfordernden Jahr". Auch Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) respektiere den Schritt Aschbachers und bedankte sich für die "gute Zusammenarbeit in den letzten Monaten". Ihr Nachfolger in der Funktion als Arbeitsminister werde am Montag präsentiert, sagte Kurz. Ob das bedeutet, dass die Agenden der Familienministerin an eine der verbleibenden ÖVP-Ministerinnen gehen, blieb auf Nachfrage im Kanzleramt offen.

    In der steirischen ÖVP hieß es, man gehe natürlich davon aus, wieder zum Zug zu kommen. Diversen Medienberichten zufolge soll der nächste Arbeitsminister aber Helwig Aubauer heißen. Er ist für den Kanzler kein Unbekannter. Der Bereichsleiter für Arbeit und Soziales in der Industriellenvereinigung verhandelte 2017 bei den Koalitionsverhandlungen mit den Freiheitlichen auf Seiten der ÖVP mit. Zuvor arbeitete Aubauer auch in den Kabinetten der beiden Ex-Minister Martin Bartenstein und Reinhold Mitterlehner (beide ÖVP).

    SPÖ: "Logische Konsequenz"

    Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch ist Aschbachers Rücktritt die "logische Konsequenz". Die Kurz-Regierung schlittere von einem Chaos ins andere. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit aufgrund der Corona-Pandemie sei der Zeitpunkt "besonders fatal".

    Für FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer ist Aschbachers Entscheidung "zu respektieren. Dennoch ist eine Überprüfung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten durch die zuständigen Hochschulen unumgänglich". Für die Nachbesetzung erwarte er sich nun einen "wirklichen Experten, der innerhalb der Regierung größeres Gewicht hat".

    Neos-Generalsekretär Nikola Donig lobte Aschbachers "rasche Konsequenz". Dies sei ein notwendiger Schritt für die Integrität der Politik. Von Kurz erwarte er sich eine rasche Nachbesetzung.

    Akademische Konsequenzen offen

    Aschbacher selbst könnte noch ein akademisches Nachspiel erwarten: Unklar ist nämlich, ob ein allfälliges Plagiat überhaupt zu einer Aberkennung eines im Vorjahr in der Slowakei erlangten Doktortitels führen kann. In dem Nachbarland ist die Aberkennung erschwindelter akademischer Grade erst seit heuer und nicht rückwirkend möglich.

    Die Slowakische Technische Universität (Slovenská technická univerzita – STU) will die Dissertation Aschbacher jedenfalls prüfen, berichteten slowakische Medien am Samstag. Die wissenschaftliche Arbeit sei mit dem staatlichen Anitplagiat-System überprüft worden, dabei wurde eine Übereinstimmung mit fremden Texten von 1,15 Prozent gefunden, erklärte ein Sprecher der STU. In der Datenbank des staatlichen Systems befinden sich vor allem slowakische Texte aus Lehrbüchern und dem Internet, mit denen Arbeiten verglichen werden. Ausländische und deutsche Texte liegen nur wenige vor. Die STU versprach, Aschbachers Dissertation gründlich zu kontrollieren und über die Ergebnisse zu informieren. Schreibt DER STANDARD.

    Tja, so ist das halt nun mal mit den in der Slowakei und anderen osteuropäischen Staaten with a little Help from Copy & Paste «gekauften» Doktortiteln für Leute, die ebenso dumm wie eitel sind. Dass es sich dabei vorwiegend um Vertreter*innen der Polit-Elite handelt, sagt auch einiges ausüber die sogenannten Eliten. Dummheit und Stolz wachsen bekannterweise auf dem gleichen Holz.

    Da habe ich es mir doch etwas einfacher gemacht: Ohne je eine Doktorarbeit zu schreiben, was vermutlich auch besser war, wurde mir der Doktortitel von der Luzerner Staatsanwaltschaft Summa cum Lauda verliehen. Der Klage wegen eines öffentlichen Artikels von mir durch eine einfältige Basler-Schwuchtel mit Botox-Lippen sei Dank.

    Herzlichst, Euer Doktor.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 9.1.2020 - Tag der ewigen Liebe

    FDP-Nationalrätin Doris Fiala (63) und Ex-SRG-Generaldirektor Armin Walpen (72): «Ja, wir sind ein Paar»

    Aus Freundschaft wurde Liebe. Dies haben FDP-Nationalrätin Doris Fiala und Ex-SRG-Generaldirektor Armin Walpen so erlebt. Zum ersten Mal sprechen sie über ihre Beziehung, für die sie einige Hindernisse überwinden mussten.

    Es sind ungewohnt leise Töne, die Doris Fiala (63) von sich gibt. Denn es geht nicht um eine Initiative oder ein Referendum, wofür sie sich seit 2007 als FDP-Nationalrätin lautstark und mit viel Leidenschaft einsetzt. Es geht um ihr Herz und die Liebe zwischen ihr und dem einstigen SRG-Generaldirektor Armin Walpen (72). «Ja, wir sind ein Paar», bestätigen die beiden auf Anfrage von BLICK.

    Das Glück und die neue Leichtigkeit sind Doris Fiala anzusehen. Dies nachdem sie ihren Mann Jan (†70) am 15. Dezember 2019 an den Folgen seines langjährigen Krebsleidens verlor. 38 Jahre lang war sie mit dem Chemieingenieur verheiratet, gemeinsam haben sie drei erwachsene Kinder. Doris Fiala kämpfte bis zuletzt für die Patientenverfügung, seine wollte man am Schluss nicht umfassend anerkennen. «Dafür werde ich mich immer einsetzen», sagt sie bestimmt.

    Ihre erste Begegnung fand vor 14 Jahren statt

    Wieder leiser spricht sie von ihrer Begegnung mit Armin Walpen. «Wir trafen uns vor 14 Jahren erstmals. Er lud mich an einen SRG-Anlass ein.» Zwei Jahre später sei es eine zufällige Begegnung in der Wandelhalle im Bundeshaus gewesen. «Später dann war es sein Zuhören und Dasein, als mein Mann schwer erkrankte und schliesslich starb.» So wurde aus Freundschaft Liebe.

    «Eine Liebe, die wir mit Respekt, Vorsicht und Dankbarkeit leben», sagt sie. Es sei für beide eine grosse Bereicherung, sich auf Augenhöhe begegnen zu können. «Armin war immer ein sehr politischer Mensch. Wenn ich ihm etwas von meinen Anliegen und Bestrebungen erzähle, weiss er, wovon ich spreche. Dies ist auch umgekehrt der Fall. Wir sind zwei gelebte Leben, die den weiteren Weg nun gemeinsam gehen dürfen.»

    Die Beziehung sei anfangs weder für ihre noch für seine Kinder einfach gewesen

    Sie hat drei erwachsene Kinder und zwei Enkel, er hat zwei Kinder und vier Enkel. «Weder für meine noch für seine Kinder war unsere Beziehung anfangs einfach. Da gab es sicher auch grosse Leidensmomente. Für seine Kinder, weil er sich von ihrer Mutter getrennt hat, für meine Kinder, weil für sie die Beziehung nach dem Tod des geliebten Vaters doch recht früh kam», sagt sie offen und ehrlich. «Doch wir fanden es wichtig, Klarheit zu schaffen. Und es ist doch auch schön, wenn man vermitteln kann, dass es nach dem Tod eines geliebten Menschen einen Weg gibt, der gut weiterführt.» Nun seien sie alles in allem gemeinsam auf gutem Weg, wie sie sagt, den sie möglichst mit Sensibilität ihrem Umfeld gegenüber gehen wollen. «Wir sind uns bewusst, dass unser Weg auch Verletzungen bei unserem Umfeld hinterlassen hat», sagt Armin Walpen.

    Ihre gemeinsame Zukunft mit Armin Walpen sieht sie Hand in Hand. Er ist seit zehn Jahren im Ruhestand. Doris Fiala wird am 29. Januar 64, für eine Wiederwahl stellt sie sich nicht zu Verfügung, will aber beruflich noch lange begeistert aktiv bleiben, wie sie sagt. Auf die Zeit nach ihrer politischen Karriere freut sie sich sehr. «Weder Armin noch ich müssen noch irgendjemandem etwas beweisen. Das macht uns frei, einfach dankbar zu sein und zu geniessen, was möglich ist. Dabei bleiben unsere Familien und Freunde sehr wichtig.»

    Als Nächstes steht eine gemeinsame Wohnung in Zürich auf dem Plan

    Pläne hat das Paar auch. «Wir sind auf der Warteliste für eine gemeinsame Wohnung in Zürich», so Fiala, die mit Walpen momentan zwischen ihrem Hauptwohnsitz in Samedan GR und in Zürich pendelt. «Wenn einem die Liebe in dem Alter, in dem wir sind, nochmals erreicht, ist das einfach wunderschön. Dafür sind wir beide sehr dankbar», ergänzt sie wieder mit leisen Tönen. Schreibt Blick.

    ZumAbschluss dieser turbulenten Woche eine versöhnliche Nachricht aus dem Umfeld der FDP, die eine alte Lebensweisheit bestätigt: Auch alte Zitronen haben noch Saft.

    Wir wünschen dem glücklichen Paar einen tollen Honeymoon und viel Glück.

    Mögen einige Mit- und ohne Glieder aus der FDP diese tolle Herzblatt-Geschichte zum Anlass nehmen, in Zukunft zwischendurch mal ebenfalls mit positiven und glückselig machenden News aufzuwarten statt mit den ewig gleichen Floskeln des vulgären Neoliberalismus frei von jeglichem Sinn.

    So könnte uns doch der solariumgebräunte Luzerner FDP-Ständerat und PöstchenjägerDamian Müller mit der Meldung überraschen, endlich eine Liebste oder einen Liebsten gefunden zu haben. Genug und ungefragt geredet über seine Sexualität («ich bin nicht schwul») in unzähligen Interviews vor den Nationalrats- und Ständeratswahlen 2019 hat er ja schon. Nun muss er seinen Worten nur noch Taten folgen lassen.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 8.1.2021 - Tag der Sozialhilfequoten

    Auswirkung der Corona-Krise: In keiner anderen Stadt steigt die Sozialhilfequote so stark wie in Luzern

    Die Corona-Krise ist die grösste wirtschaftliche Herausforderung für die Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Zahl der Sozialhilfe-Bezüger wird markant ansteigen. Das zeigt sich fast nirgends so deutlich, wie in der Stadt Luzern. Grund ist insbesondere die hiesige Wirtschaftsstruktur.

    Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos) zeichnet ein düsteres Szenario für die Zukunft. Seit Mai behält sie im Auge, wie sich die Fallzahlen in der Sozialhilfe im Zuge der Coronakrise entwickeln. Noch ist gesamtschweizerisch kein Anstieg feststellbar ­– einzelne Regionen verzeichnen aber signifikant mehr Fälle. Vorne mit dabei: Die Stadt Luzern.

    Hier lag die Sozialhilfequote im Monat November 2020 8 Prozent höher als in einem Durchschnittmonat 2019. Stärker ist der Anstieg nur im Kanton Genf (plus 8,5 Prozent). Wobei dort im Zuge infolge von Corona spezielle Regeln für den Bezug der Sozialhilfe beschlossen wurden, was einen Vergleich schwierig macht. Klar ist jedenfalls: Der Index der Fallzahlen liegt in der Zentralschweiz deutlich über dem gesamtschweizerischen.

    Warum ist gerade Luzern von einem Anstieg der Sozialhilfefälle betroffen? «Mögliche Gründe dafür sind der hohe Anteil von Beschäftigten in einem auf ausländische Gäste ausgerichteten Tourismus sowie ein generell steigender Trend aus dem Vorjahr», schreibt die Skos in ihrem Bericht.

    Felix Föhn, Leiter der sozialen Dienste der Stadt Luzern, bestätigt dies. «Ende November verzeichnete die Stadt Luzern 2’436 Stellensuchende und 1’440 Personen, die Sozialhilfe beziehen», sagte er an einer virtuellen Medienkonferenz am Donnerstagmorgen. Die Arbeitslosenquote sei im Verlauf des Jahres auf drei Prozent angestiegen – und liegt damit deutlich höher als im gesamten Kanton (2,3 Prozent).

    Besonders betroffen vom Stellenverlust ist die Hotellerie und der Gastronomiebereich – und alles was damit verbunden ist. Sprich: Die Event- und Kulturbranche, die Schmuck- und Uhrenindustrie, die Schifffahrtsgesellschaft und der Detailhandel. Daneben stieg die Zahl der Arbeitslosen im Baugewerbe und im Gesundheitswesen.

    «Im März hatten wir einen massiven Anstieg, nämlich eine Verdoppelung der Anmeldungen bei der Arbeitslosenversicherung», erklärte Föhn. Im Sommer habe sich die Situation leicht entspannt. Die Ruhe war aber trügerisch. «Sehr viele Personen haben nur eine befristete Stelle gefunden – sie befinden sich also weiterhin in prekären Arbeitsverhältnissen», so Föhn weiter.

    Für eine Entwarnung ist es also noch zu früh – zumal die Zahlen seit Oktober wieder deutlich ansteigen. «Ab Juni gab es eine etwas ruhigere Phase, im Oktober hat uns dann die zweite Welle voll erwischt», führte Föhn aus. Er betont, dass es für die Sozialhilfe 2020 einen Nachtragskredit brauchen wird – und eine Aufstockung der Budgets der Gemeinden für 2021. Denn verantwortlich für die Ausrichtung der Sozialhilfe sind die Kommunen.

    Mehrkosten von 821 Millionen Franken

    Die Skos geht davon aus, dass sich die Zahl der Sozialhilfe-Bezüger schweizweit im nächsten Jahr um 21 Prozent erhöhen wird. Dies wird zur Folge haben, dass die Kosten im Bereich der Sozialhilfe schweizweit um 821 Millionen Franken steigen.

    Als Hauptproblem bezeichnet die Skos die steigende Arbeitslosigkeit und die wachsende Zahl von Selbstständigen, die sich aufgrund der Corona-Krise finanziell nicht mehr über Wasser halten können. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation sei zudem die berufliche und soziale Integration erschwert.

    Als «dringend» bezeichnet die Skos, dass es innerhalb der Kantone einen Lastenausgleich zwischen den Gemeinden gibt – weil die Zentren besonders von der steigenden Sozialhilfequote betroffen sind, wie die Fälle Luzern und der städtische Kanton Genf zeigen. Der Wunsch der Stadt Luzern, die Kosten gleichmässiger zu verteilen, dürfte im Kanton in den nächsten Monaten noch zu reden geben. Schreibt ZentralPlus.

    Alles hängt mit allem zusammen

    Dass die Stadt Luzern nun auch im Schweizer Ranking der Sozialhilfequote den ersten Platz einnimmt, ist nicht nur dem Coronavirus zu verdanken. Das ist viel zu kurz gesprungen und pure Augenwischerei der verantwortlichen Politiker*innen, um vom eigenen Versagen abzulenken. Da gibt es weitere Gründe, die seit längerer Zeit schleichend und unaufhaltsam daherkommen.

    Wenn Luzern mit knapp 82'000 Einwohnern*innen innert kurzer Zeit hinter Zürich (knapp 403'000 Einwohner*innen) zum Drogen-Hotspot Nummer 2 in der Schweiz aufsteigt, lässt das den Schluss zu, dass die Stadt Luzern auch bei den Drogenkonsumenten und notabene damit auch bei den Drogendealern gewaltig zugelegt hat. Es gibt ja auch naheliegende Gründe, weshalb Eltern aus Luzern ihre Kinder nicht mehr an der Luzerner Kanti ausbilden lassen(siehe Link unten).

    Wenn zehn Moscheen in der Stadt Luzern und Umgebung (Eyüb Moschee, Hauptstrasse 58, Islamischer Kulturverein Barmherzigkeit, Baselstrasse 61A plus diverse illegale «Kellermoscheen» in Mehrfamilienhaus-Liegenschaften) wie Pilze aus dem Boden schiessen, hat das auch Auswirkungen auf das Sozialamt. Denn die muslimischen Gross-Spender aus dem arabischen Raum zahlen ihre Millionen nicht auf das Konto des Luzerner Sozialamts ein, sondern auf die Konten der Imame und islamischen Vereine.

    Wie sagte Peter Scholl-Latour – geografisch leicht abgewandelt – treffend? «Wer den halben Balkan, halb Arabien und halb Afghanistan aufnimmt, hilft nicht etwa dem Balkan, Arabien oder Afghanistan, sondern wird selbst zum Balkan, zu Arabien und zu Afghanistan!»

    Allein die täglich nach Mitternacht zugemüllte Stadt Luzern und das Luzerner Sozialamt bestätigen Scholl-Latours Worte. Ebenso die Tatsache, dass in der Stadt Luzern kaum mehr ein «Coiffeur-Salon» zu finden ist, dafür an jeder Ecke ein «Barber Shop».

    Nebenbei: In der Krienser Moschee bleibt vieles im Dunkeln – dafür übernimmt die Islamische Gemeinde Luzern das Zepter

    Luzern: 50 Schüler wegen Drogenhandels verhaftet.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 7.1.2021 - Tag danach

    Heute, am Tag danach, auch nur eine einzigen Artikel aus den Medien als «Schlagzeile des Tages» zu präsentieren, hiesse Eulen nach Athen zu tragen. Es scheint, als hätten alle Journalisten nach der Hitze des Gefechts rund um das Kapitol einander die genau gleichen Schlagzeilen abgeschrieben. Von «der Wiege der Demokratie» und den hehren «westlichen Werten» des Hegemons ist unisono die Rede. Als ob die USA in den vergangenen 50 Jahren je ein Leuchtturm der Demokratie und moralischer Werte gewesen wäre.

    Trump, der nach Angaben seiner Ex-Frau Ivana «Mein Kampf» auf dem Nachttisch liegen hatte, ist nicht zufällig vom Himmel gefallen. Er wurde auch nicht zufällig von beinahe 75 Millionen Bürgern*innen gewählt. Er ist das Produkt einer verkommenen Nation mit einem ebenso verkommenen Neoliberalismus, der die amerikanische Gesellschaft zerreisst und den Niedergang der Weltmacht USA beschleunigt.

    Ich empfehle an dieser Stelle einmal mehr das Buch «Weltmacht USA: Ein Nachruf» von Emmanuel Todd, der drei wesentliche Gründe für seine Thesen benennt: Räumliche Überdehnung (Weltpolizist, Kapital), Zerfall der Demokratie und Zunahme der Dekadenz.

    Besser kann man den derzeitigen Zustand des (noch) Welt-Hegemons nicht auf den Punkt bringen.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 6.1.2021 - Tag der Oldenburger Butter

    Männer in den Wechseljahren: Vollkommen fix und fünfzig

    Sind Männer in der Lebensmitte erschöpft, übergewichtig und haben wenig Lust auf Sex, liegt das an der Andropause. Helfen Testosteronpräparate wirklich?

    "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!", sang der Schlagerstar Udo Jürgens. "Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss." Aber nicht alle Senioren können die Botschaft dieses Liedes unterschreiben. Gerade Männer, die in die Jahre kommen, sind häufig deprimiert – und Ärzte nehmen sich ihrer an. "Sie stehen in der zweiten Lebenshälfte und fühlen sich schlecht?", heißt es auf der Website einer Arztpraxis. "Merken, wie Ihre Kraft stark nachgelassen hat, leiden unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit und Erektionsproblemen? Sie sind gereizt, Ihr Bart wächst nicht mehr richtig? Sie legen an Gewicht zu, aber die Muskeln schwinden? Dann leiden Sie möglicherweise unter starkem Testosteronmangel."

    Die "Wechseljahre des Mannes" – in Anlehnung an diejenigen der Frau – sind ein Modethema: Ärzte, Pharmafirmen und Journalisten haben es populär gemacht. Genau wie die Hormonbehandlungen, die dagegen helfen sollen: Testosteron steigere die Lebensfreude, wird suggeriert, sorge für mehr Lust und stärke die Potenz. In Deutschland verschreiben Ärzte bereits mehr als dreimal so viel synthetisch hergestelltes Testosteron wie noch 2004, und auch in Österreich und der Schweiz steigen die Umsätze mit solchen Präparaten.

    Im Griff von Hormonen

    Marco Caimi, der 2014 in Basel die "erste Praxis für Männermedizin" der Schweiz gegründet hat, hält Testosteron-Ersatztherapien (TRT) in vielen Fällen für sinnvoll. "Früher dachte man beim Stichwort 'Wechseljahre' ausschließlich an Frauen", sagt der Arzt und Psychiater: Stellen die Eierstöcke die Produktion der Östrogene ein, spüren viele Frauen in der Lebensmitte den Rückgang dieser Sexualhormone bekanntlich als Wechseljahrsbeschwerden und lassen sich dagegen Östrogene verschreiben. Oft bringen die Hormone Linderung, sagt Caimi. Warum also sollten Männer, deren Hormonspiegel im Lauf des Lebens ja auch sinkt, in ihren Wechseljahren nicht ebenfalls von einer Hormontherapie profitieren?

    Geschlechtshormone wie Östrogene oder Testosteron haben nachweislich viele wichtige Funktionen: Sie beeinflussen nicht nur die Sexualität und Fruchtbarkeit. Testosteron ist auch am Muskelwachstum beteiligt, stärkt die inneren Organe und die Knochen, wirkt positiv auf die Psyche und steigert die Vitalität.

    Ein Testosteronmangel dagegen habe sehr oft negative Auswirkungen auf die Cholesterinwerte und den Zuckerstoffwechsel (Diabetes), was zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führe. "Sinkt der Testosteronspiegel, kann das auch die Beziehung erheblich belasten", sagt Caimi. "Und heute machen sich viele Männer zum Glück mehr Gedanken über ihre Gesundheit als noch ihre Väter oder Großväter."

    In der Lebensmitte

    Die Wechseljahre des Mannes werden auch Andropause genannt, abgeleitet von den griechischen Wörtern"andro" (Mann) und "pausis" (Ende). Sie setzen meist Anfang oder Mitte 50 ein, sagt Caimi. "Also etwas später als die Wechseljahre der Frau." Häufige Begleiterscheinungen dieser Lebensphase seien bei Frauen und Männern aber ähnlich: emotionale Verstimmungen etwa, Antriebsschwäche, Schweißausbrüche, weniger Lust auf Sex (Libidoverlust) und allgemeiner Leistungsabfall. Gerade Letzteres werde in der heutigen Arbeitswelt kaum toleriert. "Viele Betroffene 'kompensieren' die nachlassende Leistung daher durch noch mehr zeitlichen Aufwand, was Müdigkeit und Lustlosigkeit weiter verstärkt", sagt Caimi. "Ein Teufelskreis." Doch soll man diesen wirklich mit synthetisch hergestelltem Testosteron zu durchbrechen versuchen?

    Shahrokh Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie am AKH Wien, rät zu einer differenzierten Betrachtung. Die Bezeichnung "Andropause" hält er für unpassend. "Dieser Begriff suggeriert, dass es ein männliches Gegenstück zu den weiblichen Wechseljahren gäbe", sagt Shariat. "Und das stimmt so nicht." Denn erstens komme es bei Männern nicht wie bei Frauen zu einem schlagartigen, sondern zu einem kontinuierlichen Abfall der Hormonproduktion. "Und zweitens beeinflussen die hormonellen Veränderungen nicht die Fruchtbarkeit, wie das bei Frauen in der Menopause bekanntlich der Fall ist."

    Testosteron zuführen

    Früher nutzen vor allem Sportler und Bodybuilder synthetisch hergestelltes Testosteron, und zwar als eine Art Doping, um ihren Körper in Form zu bringen. Hinzu kamen Patienten mit einer seltenen Unterfunktion der Hoden. Inzwischen aber scheinen manche Mediziner Patienten zu suggerieren, dass jeder Mann irgendwann zum Kandidaten für eine solche Behandlung werde. Shariat dagegen hält eine Testosteron-Ersatztherapie nur in ausgewählten Fällen für sinnvoll. "Männer mit geringem Sexualtrieb, niedriger Energie, Stimmungsschwankungen und erektiler Dysfunktion haben zwar in der Tat oft einen niedrigen Testosteronspiegel", sagt Shariat. "Diese Symptome können aber auch auf andere Ursachen zurückzuführen sein." Man müsse sehr genau abklären, ob solche Medikamente wirklich angezeigt seien.

    Produziert ein Mann nicht ausreichend Testosteron, spricht Shariat von Hypogonadismus oder "Low T" (niedriger Testosteronspiegel). Oft liege das aber gar nicht am Alter, betont er. Männer mit Gesundheitsproblemen wie Diabetes, depressiver Verstimmung, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung oder starkem Übergewicht tendieren ebenfalls zu niedrigen Testosteronwerten. "Bei einem Verdacht auf Low T ist es daher wichtig, möglich rasch einen Arzt aufzusuchen, um abzuklären, ob eine andere Erkrankung dahintersteckt", sagt Shariat. Wichtig seien die Analyse der medizinischen Vorgeschichte, eine ärztliche Untersuchung und ein Blutbild, um die Testosteronwerte genau zu bestimmen.

    Therapie gegen "Low T"

    Eine Testosteron-Ersatztherapie kann auf viele verschiedene Arten erfolgen, erklärt Shariat: durch Hautgels etwa, Spritzen, Pellets, die unter der Haut eingesetzt werden, oder auch durch Spezialpflaster. Und: Bei einer TRT handelt es sich um eine lebenslange Behandlung. Setzt man die Präparate ab, sinken auch die Testosteronwerte wieder. "Manche von Low T betroffene Männer entscheiden sich denn auch gegen eine solche Therapie", sagt Shariat. "Sie finden entweder andere Mittel und Wege, ihr Energielevel zu steigern, oder finden sich mit den körperlichen Veränderungen und ihrem geringeren sexuellen Verlangen ab."

    Lasse man sich auf eine TRT ein, seien regelmäßige Bluttests wichtig, sagt der Experte. "Und unterziehen Sie sich keiner TRT aus nichtmedizinischen Gründen wie etwa im Rahmen von Bodybuilding-Programmen, Versuchen, den Alterungsprozess aufzuhalten, oder zur Erhöhung der Leistungssteigerung." Patienten mit unbehandelten Herzproblemen, Prostatakrebs oder Schlafapnoe rät er generell von einer TRT ab, da Testosteron diese Erkrankungen verschlimmern kann. Und noch etwas ist ihm ein Anliegen: "Männern mit einem Testosteronwert im normalen Bereich wird durch eine TRT nicht geholfen."

    Speck weg

    Gibt es Alternativen, wenn männliche Senioren über Symptome klagen, die auf eine Andropause hinzudeuten scheinen? Der erfahrene Arzt und Psychotherapeut Thomas Walser aus Zürich empfiehlt in solche Fällen, erst einmal zwei, drei Monate lang den Alltagsstress zu reduzieren. Die Männer sollen sich Zeit für Dinge nehmen, die ihnen Freude machen, und im Zweifelsfall ein paar Kilo abspecken. "Oft bringt das bereits eine deutliche Verbesserung des Wohlbefindens", sagt Walser. Und auch der Hormonspiegel normalisiere sich häufig. Im Übrigen sei auch in höherem Alter ein wirklich gravierender Testosteronmangel eine Seltenheit: "Nur bei etwa drei bis fünf Prozent der 60- bis 79-Jährigen ist der Pegel so niedrig, dass er ein stark vermindertes sexuelle Verlangen und andere Symptome erklären könnte", so Walser.

    Auch andere Experten halten die "zunehmende Fokussierung auf das Testosteron" in der Männermedizin für keine gute Entwicklung. Und sie haben gute Argumente: In einer großen Studie, die 2016 in der Fachzeitschrift "Endocrine Review" publiziert wurde, war das sexuelle Begehren (Libido) bei den Probanden, die Testosteron nahmen, durchschnittlich zwar etwas stärker als bei der Gruppe ohne Testosteronbehandlung. Weder in Bezug auf die Körperkraft noch auf die Gesundheit oder die Zufriedenheit zeigte sich jedoch ein positiver Effekt durch die Hormonpräparate.

    Gefährliche Nebenwirkungen

    Auch Shahrokh Shariat verweist auf eine durchwachsene Bilanz: "Auch wenn viele Männer eine positive Wirkung durch eine TRT erfahren, wie Veränderungen bei Energie und Libido, liegt doch noch einiges im Ungewissen", sagt er. "Auch daher ist es sehr wichtig, eine solche Therapie ausschließlich unter der Kontrolle eines erfahrenen, auf Testosteronbehandlungen spezialisierten Arztes durchführen zu lassen." Manche Männer kaufen testosteronsteigernde Nahrungsergänzungsmittel hingegen im Fitnesscenter oder im Internet. "Das kann sehr gefährlich sein", warnt Shariat. "Man kann sich nie sicher sein, welche Inhaltsstoffe in solchen Produkten verwendet werden, da sie keinerlei offiziellen Kontrollen unterliegen."

    Karl-Heinz Steinmetz, Gesundheitswissenschafter und Leiter des Instituts für Traditionelle Europäische Medizin (TEM) in Wien, rät generell zu Alternativen. "Eine Substitution des Testosterons ist in Sachen Andropause nur äußerst selten der Schlüssel zum Erfolg", sagt er. Die Andropause sei ein "ganz normaler Abschnitt" des natürlichen Alterungsprozesses. Aus der Sicht der TEM sei sie daher ein wichtiges "Lehrstück der Lebensschule", so Steinmetz: Sie lade Männer dazu ein, über Leistung, Sex und den Sinn des Lebens neu nachzudenken.

    Gutes Leben

    Unter anderem plädiert Steinmetz für Bewegung und eine "gesunde Genussküche". Viele Männer haben während der Andropause Probleme mit der Verdauung und dem Magen-Darm-Trakt, sagt er. Und was man esse, sei so wichtig, weil es einen unmittelbaren Einfluss auf die Hormonwerte habe. "Die Andropause kann eine wunderbare Gelegenheit sein, sich mit Bitterkräutern, Heilerde und generell mit seiner Ernährung auseinanderzusetzen." Zudem gebe es "eine Palette von spannenden Heilpflanzen", die Wirkung auf den Androgen-Gesamthaushalt gezeigt hätten, sagt Steinmetz. "Auch bei bedenklichen Hormonständen würde die TEM zum Beispiel eher an eine Behandlung mit Brennnesselwurzelpulver und Kieferpollen denken, bevor sie die Testosteronspritze zückt."

    Es soll allerdings auch männliche Senioren geben, die mit "spannenden Heilpflanzen" eher wenig am Hut haben. Denen kann vielleicht die Orientierung an Udo Jürgens helfen, der ja auch im höheren Alter noch sehr beschwingt wirkte. In seinen Lieder empfahl auch der Schlagerstar bekanntlich nicht etwa Testosteronpräparate als Wundermittel für mehr Lebenslust, sondern Fernreisen ("Ich war noch niemals in New York"), griechischen Wein und Süßspeisen. "Aber bitte mit Sahne!" Schreibt DER STANDARD.

    Liebe Senioren, solange man(n) noch nicht bei den Wechselhaaren angekommen ist, spielen die Wechseljahre überhaupt keine Rolle. Und sollten alle Stricke reissen, nehmen Sie sich eine alte Bauernweisheit aus Deutschland zu Herzen: «Oldenburger Butter hilft dem Bauer auf die Mutter.»

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 5.1.2021 -- Tag der Dekadenz

    Rolls-Royce Ghost – Das Auto, in dem sich der Brexit ertragen lässt

    Der neue Ghost soll weniger dick auftragen, beteuert Hersteller Rolls-Royce. Eine gewagte Form britischen Understatements: Der Wagen kommt verschwenderischer daher denn je.

    Der erste Eindruck: Dekadent! Irre groß ist der neue Rolls-Royce Ghost. Sehr prall auch der von einer Tempelfassade inspirierte Kühlergrill – er wird indirekt von 20 LED beleuchtet.

    Das sagt der Hersteller: Auch wenn es zunächst nicht jedem auffällt – Rolls-Royce will beim neuen Ghost Zurückhaltung zeigen. So sollen weniger Konturen im Blech das Design schemenhaft wirken lassen. »Der brüllt nicht, er flüstert«, sagt Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös über den Ghost. Marktforschungsexperten hätten bei den Superreichen den Trend zur »Post-Opulenz« ausgemacht. Wer es in einen Rolls-Royce geschafft hat, so die Botschaft, muss seinen Status niemandem mehr beweisen und will deshalb nicht noch extradick auftragen. Daher hätten die Designer eine Linie um die andere weggerubbelt, sagt Henry Cloke aus dem Stylingteam des Herstellers. Von der bisherigen, ersten Generation des Ghost, wurden in elf Jahren knapp 20.000 Exemplare gebaut – so viele wie von keinem anderen Fahrzeug in der bisherigen Firmengeschichte. Dass die zweite Generation nun dezenter daherkommen soll, ist auch an den eher schlichten Scheinwerfern und Rückleuchten zu erkennen. Dennoch bleibt ein dekadenter Gesamteindruck: Obwohl ohnehin schon übergroß, ist der neue Ghost in Länge und Breite gewachsen. Und schwerer geworden ist das Auto auch.

    Das ist uns aufgefallen: Kleine Bildschirme im Cockpit und über der Mittelkonsole, daneben die analoge Uhr ohne Ziffern auf dem tiefschwarzen Blatt – auch innen müht sich der Ghost um Zurückhaltung. Allerdings nur, um dann – genau wie beim Kühlergrill – mit einzelnen, besonders opulenten Details umso mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Das beginnt bei den gegenläufig angeschlagenen Fondtüren. Sie schließen elektrisch und lassen sich per Servomotoren öffnen. Weiter geht's mit dem LED-Firmament in der Deckenverkleidung, durch das nun auch Sternschnuppen schwirren. Der Luxus gipfelt im Armaturenbrett, für dessen Vertäfelung angeblich 10.000 Entwicklungsstunden verbraten wurden: Nach dem Zünden erstrahlt ein Ghost-Schriftzug, umgeben von 850 Sternen. Sie werden, gemeinsam mit den Buchstaben, von 152 LED über einen Lichtleiter zum Leuchten gebracht. Das Blendwerk strahlt dank mehr als 90.000 lasergeätzten Punkten ziemlich perfekt. Von Details besessen, schwadronieren die Briten gern auch über die 20 sogenannten Halbhäute, mit denen sie die 338 Paneele im Innenraum beziehen, oder über die Länge der Nähte.

    Daneben ist der Ghost aber immer auch noch ein Fahrzeug und bereit, große Distanzen zu überwinden. Nur bekommt man innen davon eben wenig mit – dank mehr als 100 Kilo Dämmmaterial in Dach, Türen und Radhäusern, ausgeschäumten Reifen und doppelt verglasten Fenstern.

    Der Ghost gilt als Auto für Selbstfahrer. Das Lenkrad steht deshalb nicht ganz so steil wie beim Phantom (der eher ein Chauffeursauto ist) und ist etwas griffiger. Dahinter sitzt der Fahrer weniger steif. Vor allem haben die Briten viel getan, damit weniger versierte Fahrer den Ghost würdevoll bewegen können. Der erste Allradantrieb in einer Rolls-Royce-Limousine erhöht die Sicherheit bei schlechtem Wetter. Dank der erstmals eingesetzten Hinterachslenkung geht der Ghost trotz 5,55 Meter Länge und 3,30 Meter Radstand gut ums Eck.

    Das muss man wissen: Genau wie der Phantom nutzt der Ghost eine spezielle Rolls-Royce-Architektur und übernimmt von der Konzernmutter BMW nur einzelne Komponenten – wie das Infotainmentsystem oder einige Assistenten. Kaum etwas haben die Briten unverändert vom Vorgängermodell übernommen: lediglich die Kühlerfigur »Spirit of Ecstasy« und die Regenschirme in den Türen.

    Unter der Haube der komplett aus Aluminium gefertigten Karosserie steckt ein V12-Motor mit 6,75 Liter Hubraum. Der hat dank 571 PS und vor allem 850 Nm Drehmoment bei lediglich 1600 Touren mit drei Tonnen Auto leichtes Spiel. Der Ghost beschleunigt binnen 4,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und schafft mühelos Tempo 250. Allerdings schluckt er 15,7 Liter Sprit auf 100 Kilometern – laut Norm. In der Praxis wird es deutlich mehr. Von wegen Post-Opulenz.

    Zwar ist der Antrieb altmodisch und von Hybrid und Elektro ist bei Rolls-Royce keine Rede. Dennoch bietet der Ghost technisch Wegweisendes. Dabei geht es um »Waftability«, jene mühelose, einem fliegenden Teppich ähnelnde Form der Fortbewegung, die Rolls-Royce proklamiert. So nutzt die Steuerelektronik der Automatik die Daten des Navigationssystems für unmerkliche Gangwechsel. Auch das Fahrwerk lässt vorausblicken (mit Kameras) und stellt die Dämpfer auf Unebenheiten ein, noch ehe sie erreicht sind. Um diesen Effekt zu verfeinern, haben die Briten das Planar-System entwickelt. Bei dem sind die Dämpfer – vereinfacht formuliert – nochmals über spezielle Dämpfer mit der Karosserie verbunden. Das Ergebnis ist ein Gefühl, das näher am Fliegen ist als am Fahren. So ertragen wohl auch EU-Fans den Brexit.

    Abgehoben sind auch die Preise. Für den Standard-Ghost stehen mindestens 290.000 Euro auf der Rechnung. Für die Langversion mit 17 Zentimetern mehr Radstand kommen 36.000 Euro obendrauf. Und bei der Interieurauswahl ist es leicht, diese Summe zu verzehnfachen.

    Das werden wir nicht vergessen: Die Optionen bei der Ambientebeleuchtung. Wo andere Hersteller Millionen Farben anbieten, gibt’s im Ghost nur zwei Alternativen: Warmweiß und Kaltweiß. Da ist er dann doch wieder, dieser seltsame Minimalismus mitten im Überfluss. Schreibt DER SPIEGEL.

    In Zeiten wie diesen, die in den Medien von einer unerträglich schreienden Aufgeregtheit beherrscht wird, tut einem ein Artikel über automobile Dekadenz richtig gut. Die Dekadenz hält sich in vertretbaren Grenzen, wurden doch 2019 gerade mal 5'455 Fahrzeuge der Marke Rolls Royce gebaut (Quelle: Statista).

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

  • 4.1.2021 - Tag der offenen Tür zur Psychiatrie

    Ehemalige US-Verteidigungsminister warnen Trump vor Missbrauch des Militärs

    In einem Meinungsartikel haben alle zehn noch lebenden ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Trump dazu aufgerufen, das Wahlergebnis zu respektieren. Ein Einschalten des Militärs würde die USA in »verfassungswidriges Gebiet bringen«.

    Zehn ehemalige US-Verteidigungsminister haben Donald Trump davor gewarnt, an den Betrugsvorwürfen zur Präsidentschaftswahl festzuhalten. In einem Meinungsartikel, den sie in der »Washington Post« veröffentlichten, schrieben die früheren Minister, dass es vorbei sei, die Ergebnisse der Wahl infrage zu stellen.

    An dem Artikel beteiligten sich alle noch lebenden Ex-Verteidigungsminister: Ashton Carter, Dick Cheney, William Cohen, Robert Gates, Chuck Hagel, Leon Panetta, William Perry, Donald Rumsfeld – sowie James Mattis und Mark Esper, die jeweils unter Trump das Pentagon leiteten. Neben der Aufforderung an die Republikaner, das Wahlergebnis zu akzeptieren, schrieben sie auch, dass das US-Militär keine Rolle beim Ausgang der Wahl spielen dürfe.

    Grund für den Artikel ist offenbar, dass einige Republikaner planen, die Zertifizierung der Wahlleute-Abstimmung am Mittwoch anzufechten. Noch immer erkennt Trump das Ergebnis der Wahl nicht an, obwohl mehrere Versuche scheiterten, Ergebnisse aus einzelnen Bundesstaaten anzufechten. Zuletzt veröffentlichte die »Washington Post« am Sonntag einen Audio-Mitschnitt, in dem Trump in einem Telefonat den Wahlleiter von Georgia, Brad Raffensperger, unter Druck setzte.

    Sorgen um Rolle des Militärs

    Aufgrund Trumps Verhaltens mehrten sich zuletzt die Bedenken, dass der US-Präsident das Militär nutzen könnte, um ihn auch nach dem 20. Januar im Amt zu halten. Dann zieht der designierte Präsident Joe Biden ins Weiße Haus ein.

    »Die US-Streitkräfte in die Lösung von Wahlstreitigkeiten einzubeziehen, würde uns in gefährliches, ungesetzliches und verfassungswidriges Gebiet führen«, heißt es in dem Meinungsartikel der ehemaligen Verteidigungsminister. Sie warnten zugleich potenzielle Komplizen eines solchen Putschversuchs. »Amtsträger, die solche Maßnahmen anordnen oder durchführen, würden für die schwerwiegenden Folgen ihres Handelns zur Rechenschaft gezogen.«

    Bereits im August hatte US-Generalstabschef Mark Milley die neutrale Position der Streitkräfte betont. »Ich glaube zutiefst an das Prinzip eines unpolitischen US-Militärs«, schrieb Milley in einer schriftlichen Antwort auf Fragen zweier demokratischer Mitglieder des Armeeausschusses des Repräsentantenhauses. »Im Falle eines Streits über einen Aspekt der Wahlen sind laut Gesetz US-Gerichte und der US-Kongress verpflichtet, alle Streitigkeiten zu lösen, nicht das US-Militär. Ich sehe keine Rolle für die US-Streitkräfte in diesem Prozess.«

    Offenbar bereiteten den ehemaligen Verteidigungsministern auch Äußerungen von Joe Biden Sorge, nach denen die Trump-Administration den Übergangsprozess zur neuen Regierung behindere. Biden sprach unter anderem davon, dass die US-Sicherheitsbehörden »ausgehöhlt« seien und mögliche Feinde jegliche Unklarheiten beim Übergangsprozess ausnutzen könnten. Der amtierende Verteidigungsminister Christopher C. Miller und seine Mitarbeiter müssten sich jeglicher politischer Handlung enthalten, die das Ergebnis der Wahl untergraben oder den Erfolg des neuen Teams gefährden, heißt es in dem Meinungsartikel. Schreibt DER SPIEGEL.

    Das grosse Problem mit The Donald ist ja nicht, dass man ihm nichts zutraut, sondern dass ihm ALLES zuzutrauen ist.

    Falls Sie einen Kommentar zum Kommentar abgeben wollen: Hier geht's lang

Diese Website benutzt Cookies, um Ihnen ein angenehmes Surfen durch unsere Sites zu ermöglichen. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.