Rekrutenausrüstung: Von der Nähnadel bis zum Sturmgewehr

Armeechef Philippe Rebord

Ich habe schon Vorräte, aber eher Wein. Damit kommt man auch durch eine Krise.

Armeechef Philippe Rebord

Ausrüstung Rekruten Schweizer Armee

Ausrüstung Rekruten Schweizer Armee

Die Rekruten werden für ihre Dienstzeit reichhaltig ausgerüstet. Bild ZVG Schweizer Armee

Jeder und jede Armeeangehörige erhält eine persönliche Ausrüstung, die zweckmässig die Bedürfnisse der Grundbereitschaft erfüllt und die Zugehörigkeit zur Schweizer Armee zeigt. Mit dem Start der Rekrutenschule (RS) beginnt auch die Materialschlacht.

Die Rekruten rücken in ihre RS ein. Am ersten Tag individuell in Zivilkleidern, mit Rollkoffer oder Sporttasche und meist in Turnschuhen in allen möglichen Farben. Nach der Begrüssung und den ersten Informationen geht es mit dem Dienstbüchlein in der Hand durch die verschiedenen Fassstrassen: Anstehen für Tarnanzug, Shirts, Kälteschutzjacke, Helm und Verbandsabzeichen. Der Wechsel vom zivilen Leben zum militärischen Alltag wird rasch auch optisch sichtbar. Grün in verschiedenen Nuancen ist ab nun die Modefarbe Nummer 1.

Zum militärischen Alltag gehört eine genormte Ausstattung. In der Schweizer Armee werden unter der persönlichen Ausrüstung (PA) unterschiedliche Ausrüstungsgegenstände verstanden, die jedem Angehörigen der Armee (AdA) zu Beginn seiner Dienstzeit abgegeben werden und die er bis seinem Dienstende behält und auch selbst aufbewahren muss. Der AdA ist für seine Ausrüstung persönlich verantwortlich und haftet somit für deren Verlust oder mutwillige bzw. fahrlässige Beschädigung. Auch hat er dafür zu sorgen, dass sein Equipment stets einsatzbereit ist.

Der militärische Alltag an der frischen Luft und regelmässiger Sport lassen so manches Fettpölsterchen verschwinden und macht eine kleinere Kleidergrösse nötig, erfahrungsgemäss kommt es bereits nach der fünften RS-Woche vor, dass aufgrund von Gewichtsreduktion die Garderobe nicht mehr passkonform ist, weswegen der Rekrut in der Retablierungsstelle (Zeughaus) seine alte gegen neue Kleidung bequem austauschen kann.

Individuell identisch

Die persönliche Ausrüstung umfasst rund 470 Artikel, davon sind 120 grössenabhängig. Beim Tarnanzug 90 lässt sich für jede Körpergrösse und -form ein passendes Teil finden. Bei den Hosen stehen sage und schreibe 46 verschiedene Modelle zur Verfügung. Bei den Kampfstiefeln ist die Modellauswahl ebenso vielfältig: 19 Grössen in vier verschiedenen Weiten erhöhen die Chancen, dass die Füsse für Märsche bestens gerüstet sind und über die Diensttage hinweg schmerz- und blasenfrei bleiben. Seit Anfang 2019 werden die Kampfstiefel aus logistischen Gründen nicht mehr an der Rekrutierung verteilt, sondern es werden erst bei der Ausrüstung beim RS-Start dem Rekruten zwei Paar abgegeben. Die Mitarbeiter des Logistikcenters messen aber nicht nur Füsse und händigen entsprechendes Material aus, sie versorgen die Rekruten auch mit wertvollen Tragetipps und geben ihnen Pflegeanleitungen und eine Flasche Imprägnierungsmittel mit auf den Weg.

Bewaffnung

Als persönliche Waffe werden Sturmgewehre 90 und Pistolen 75 – je nach Funktion und Grad – abgegeben. Die Fassung erfolgt nicht salopp mit einem Griff in die Waffenkiste, sondern in einer ehrenvollen Übergabe durch den Kompaniekommandanten über dem Schweizer Wappen. Mit diesem zeremoniellen Akt wird die Verantwortung, die sich mit dem Erhalt der Waffe ergibt, symbolisiert.

Identifikation

Für den Tarnanzug (TAZ) und den Ausgangsanzug Tenü A gibt es allerlei Zubehör. Die jeweiligen Abzeichen lassen sichtbar Grundausbildung, Grad, Einsatz in einer Spezialfunktion, Fähigkeiten und Leistungen, die Zugehörigkeit zu einem Verband, Truppenkörper oder einer Organisation der Armee des Angehörigen der Armee erkennen. Sie kennzeichnen den AdA darüber hinaus als Absolventen einer besonderen militärischen Ausbildung oder als Teil eines in- und ausländischen Einsatzes.

Herausforderung

Zu Beginn einer Rekrutenschule ist eine grosse Anzahl an Material bereitzustellen, wird bedacht, dass z.B. beim RS-Start 2019 Mitte Januar rund 11’200 Rekruten ausgerüstet werden mussten. Diese ausserordentliche Herausforderung hat die Truppe zusammen mit den Mitarbeitern der Armeelogistikcenter wieder mit Bravour gemeistert. Ab jetzt sind die Rekruten gefordert. Verschiedene Reglemente, die Vorgesetzten und Kameraden werden ihnen dabei helfen, ihre etwas mehr als die berühmten Siebensachen während der Dienstzeit zusammenzuhalten. Die Vielfalt zwischen Nähnadel und Sturmgewehr lässt das breite Wirkungsfeld erahnen.

Quelle: Schweizer Armee

25.1.2019